Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 03.12.2009
Whatever Works - Liebe sich wer kann
Larry ist nicht Woody
Woody Allen (74) sucht schon lange vergeblich einen Schauspieler für die Rollen, die er sich nach wie vor selbst auf den Leib schreibt; Will Ferrell und Jason Biggs sind daran schon gescheitert. Dann tauchte Larry David (62) auf, und Allen hat es noch einmal versucht, doch die beiden erweisen sich als zu gegensätzlich: Allen mag ein neurotischer Pessimist sein, aber man muss ihn einfach mögen, und das ist es wohl, was er möchte; Larry David ist ein Misanthrop, der die Menschen verachtet und nur seine Ruhe will, als Ekelpaket das Unheil aber anzieht. Dieses Konzept hat der frühere "Seinfeld"- Autor in seiner Serie "Curb Your Enthusiasm" brillant ausgereizt.
Als grimmiger Ex-Professor, Grantler und Fundamentalzweifler Boris Yellnikoff mit typisch Allen'schen Spitzen dagegen ist er nicht zu ertragen. Zum Glück läuft ihm das Südstaaten-Sonnenscheinchen Melody zu, und Evan Rachel Wood (22) ist großartig als Provinznudel, die trotz der negativen Anfangseinflüsse in New York erst richtig aufblüht - genau wie ihre ihr folgende Mutter, der ein unverhoffter später Frühling mit Selbstverwirklichung und männlicher Anbetung beschert wird, eine Rolle, die Patricia Clarkson (59) beseelt auslebt. Je öfter Melody das Haus verlässt, desto mehr entpuppt sich der Film als inspirierte, mit Mutterwitz gespickte New-York-Komödie, in der nur eines fehlt: Woody Allen selbst in der Hauptrolle.
Bernd Haasis
03.12.2009 - aktualisiert: 03.12.2009 10:32 Uhr