Lokale Spezialitäten gibt es überall. Die Leipziger haben ihr Allerlei, die Berliner eine süße Weiße sowie fettige Pfannkuchen. Hamburger genießen gestapelte Kalorienbomben, die Münchner hochprozentiges Kindl und gebrühte Weißwürste.
Doch in Stuttgart lässt es sich bei kulinarischen Eigengewächsen regelrecht aus dem Vollen schöpfen. Etwa aus dem Eintopf. Stammt doch der berühmteste Eintopf Deutschlands aus Gaisburg, einem kleinen Ortsteil im Stuttgarter Osten. Der Sage nach sollen sich im 19. Jahrhundert vor allem Offiziersanwärter an dem kräftigen Ochsenfleischeintopf mit Spätzle und Kartoffeln gelabt haben, der damals in der Gaisburger Gaststätte Bäckerschmiede serviert wurde. Letztlich soll das Gericht seinen Namen der militärischen Marschordnung verdanken, zu der die Soldaten auf dem Weg von der Berger Kaserne ins Wirtshaus angehalten waren.
Längst hat der Gaisburger Eintopf Einzug in die Haute Cuisine gehalten, was sich von Hamburgern und Brühwürsten nicht unbedingt behaupten lässt.
Drei-Sterne-Koch Harald Wohlfahrt aus Baiersbronn schwört jedenfalls auf das Stuttgarter Nationalgericht. Auch Bundespräsident Horst Köhler benennt den Eintopf als sein Lieblingsgericht, zu seinem Amtsantritt ließ er ihn mehreren Tausend Gästen beim "Mahl der Demokratie" servieren. Stuttgart besitzt viele weitere Eigengewächse, die leider teilweise in Vergessenheit zu geraten drohen.
Beispielsweise das Stuttgarter Geißhirtle, eine ausgezeichnete, aromatische Sommerbirne, die sich auch sehr gut für die Konservierung und vor allem für das Dörren eignet. Ein Ziegenhirte soll die Birnensorte einst am Stuttgarter Ortsrand entdeckt haben. Oder kennen Sie die Hedelfinger Riesen? Die wohlschmeckende Kirschensorte mit ihren charakteristisch großen Früchten ist im oberen Stuttgarter Neckartal leider immer seltener zu Hause, obwohl Hausfrauen sie zum Einmachen schätzen. Zudem tragen viele Weine den Namen von Stuttgarter Stadtteilen, aus denen sie stammen. Zur Lage ist meist der jeweilige Ortsteil vermerkt. So macht der Volksmund einen Prädikats-Riesling mitunter zum Cannstatter Zuckerle. Stuttgart lässt sich eben in vielfältiger Form auf der Zunge zergehen.