Artikel aus der Filder Zeitung vom 16.12.2009

 

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Ein "Schockeinsatz" mit positivem Ausgang

Mein 2009. Durch ihr beherztes Eingreifen retten zwei Polizisten im September einem kleinen Mädchen das Leben. Von Kai Müller
 

Vieles in der Polizeiarbeit ist Routine. Es gibt aber auch Einsätze, da rutscht selbst erfahrenen Streifenbeamten das Herz in die Hose. Am 9. September erreichte ein Funkspruch die Polizisten Jürgen Stolz und Alexander Noetzel, den diese wohl nie vergessen werden. "Kleinkind mit Atemstillstand", meldete die Zentrale. "Da erschrickt man sich schon und hofft, dass alles nicht so dramatisch oder der Rettungswagen schon da ist", sagt Noetzel. Sein Kollege ergänzt: "Das war schon ein Schockeinsatz."



Die Polizisten schalteten das Blaulicht ein und rasten nach Vaihingen. Dort erfüllte sich Noetzels Hoffnung nicht. An der Heerstraße stießen die Polizisten auf wild gestikulierende Passanten, eine völlig aufgelöste Mutter und ein sechs Wochen altes Baby, das nicht mehr atmete. Die Beamten reagierten blitzschnell. "Da keine Atmung da war, haben wir erst einmal geschaut, ob das Kind irgendetwas verschluckt hat", erinnert sich Stolz. Doch das half nicht weiter. "Wir haben das Mädchen etwas geschüttelt. Darauf reagierte es aber auch nicht", ergänzt der Polizist, der seit 16 Jahren Streife fährt.



Die Beamten riefen bei der Rettungsleitstelle an und ließen sich instruieren, wie ein Säugling wiederbelebt wird. Sie breiteten eine Decke auf dem Boden aus und begannen mit einer leichten Brustkorbmassage. "Dann setzte eine Art Schnappatmung wieder ein. Wir haben dann versucht, das Mädchen stabil zu halten", erklärt Noetzel. Dies gelang. Als die Rettungssanitäter den Säugling auf der Liege in den Krankenwagen schoben, musste Stolz unweigerlich an die Spielkameraden seiner sechs Jahre alten Tochter denken: "Das kleine Mädchen war ähnlich groß wie ihre Puppen."



Dann schlossen sich die Türen, die Passanten gingen ihrer Wege und zurück blieben nur noch zwei Polizisten. "Da fällt schon eine Last ab", sagen die beiden Ordnungshüter im Rückblick. Ein erstes kurzes Gespräch über den Vorfall folgte, dann wartete auch schon der nächste Einsatz. "Es war ein Verkehrsunfall mit Verletzten, da schaltet man sofort um", sagt Stolz, der in der Nacht nach dem Einsatz kaum ein Auge zu machte.



Zurück auf dem Revier gab"s ein Sonderlob vom Revierleiter Stefan Hartmaier und quälende Ungewissheit: Die Polizisten erkundigten sich zwar im Krankenhaus nach dem Mädchen, erhielten aber keine Auskünfte. "Das war schon etwas belastend", sagt Stolz. Erst einige Wochen später erfuhren die beiden Polizisten, dass das kleine Mädchen wohlauf ist und keine bleibenden Schäden davon getragen hat. Für einen Bericht in einem Regionalsender besuchten Noetzel und Stolz die Familie und freuten sich sehr über das Happy-End.



Ganz vergessen werden die Familienväter den Einsatz aber wohl nie. "Von Zeit zu Zeit denkt man schon daran", erklärt Stolz. Gleichwohl habe der positive Ausgang es leichter gemacht, den Vorfall zu verarbeiten. "Der Einsatz wird nie ganz aus dem Kopf verschwinden, das Leben geht aber weiter", sagt auch Noetzel.



Die beiden Lebensretter in Uniform wären aber wohl froh, wenn der Einsatz vom 9. September eine einmalige Sache bleiben würde.


 

16.12.2009 - aktualisiert: 16.12.2009 06:03 Uhr

 

 



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