Artikel aus der Filder Zeitung vom 16.12.2009

 

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Oz kann alles, außer Deutsch

Echterdingen. Die Erzieherin Susanne Thoma hat eine Geschichte für Kindergartenkinder in Deutsch und Türkisch verfasst. Von Gabi Ridder
 

Der erste Tag im Kindergarten ist für alle Kinder schwierig. Sie tauchen in eine neue Welt ein", weiß die Erzieherin Susanne Thoma. Besonders schwierig wird die Situation für jene, die mit einer nicht-deutschen Familiensprache aufwachsen. "Weil das Kind kein Deutsch versteht, ist das Defizit offensichtlich. Und dadurch wird häufig ein Fehler begangen", sagt die 52-Jährige. Man dürfe nicht vergessen, dass das türkische Kind seine Stärken mitbringe, wie jedes deutsche oder andere Kind. Genau diese Wertschätzung müsse beim Umgang im Vordergrund stehen. "Meine Devise lautet: das Aufzeigen von Defiziten vermeiden", so die Erzieherin im Kindergarten Zehntscheuer.



In ihrem deutsch-türkischen Buch "Oz geht in den Kindergarten - Oz Çocuk Yuvasina Gigiyor" schildert die Autorin den ersten Tag des Buben Oz in der Einrichtung Zehntscheuer. Die blaue Tür öffnet sich, ein Lied wird gesungen, dazu klatschen die Kinder in die Hände und tanzen. Oz versteht freilich nicht, um was es geht. Deshalb eilt ihm Halil zu Hilfe und übersetzt. Und prompt tanzt der Dreijährige mit den anderen im Kreis und klatscht den Takt mit. Als mittags die Mutter kommt, um ihren Jungen abzuholen, winkt der den anderen zu. Er wird wiederkommen.



Die passenden Illustrationen hat Tine Kluth geliefert. Die Stettenerin hat an der Filmhochschule Ludwigsburg unter anderem Puppentrickfilm studiert. Als Ortskundige sind in den Bildern die Zehntscheuer, der Fernsehturm, Flugzeuge und andere Eindrücke festgehalten.



"Durch das Bilderbuch erleben die Kinder ihre eigene Situation wie in einem Spiegel. Der Inhalt knüpft an ihre alltäglichen Erfahrungen an und vermittelt so ein Stück Vertrautheit in einer noch fremden Umwelt", erläutert Thoma, die von 1996 bis 2007 in der Stadt als Fachfrau für Sprachförderung und interkulturelle Erziehung zugleich Ansprechpartnerin für die Kollegen war. Durch die städtische Förderung wurde Thoma in ihrem Berufsalltag bewusst, dass in vielen Büchern, etwa "Wir sind alle Kinder einer Erde", die Lebenswelt der Kinder auf eine touristische Perspektive reduziert werde. "Unsere deutsch-türkischen Kinder leben aber nicht am Meer, sondern auf den Fildern, dem will ich gerecht werden", sagt sie.


 

16.12.2009 - aktualisiert: 16.12.2009 06:04 Uhr

 

 



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