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Appell an Gemeinderat

Kommunales Kino darf nicht sterben

Foto: Piechowski

Stuttgart - Der Gemeinderat ringt infolge der Finanzkrise mit dem Doppelhaushalt 2010/2011. Es muss gespart werden, und das Kommunale Kino (KoKi) könnte eines der Opfer werden. Nun schlägt die Filmszene Alarm und appelliert an die Politik, sich zur "Bedeutung der kommunalen Filmarbeit zu bekennen".

In der kürzlich gegründeten "Projektgruppe "Neues Kommunales Kino" versammeln sich unter Moderation der Film Commission Region Stuttgart alle, denen das Bewegtbild als Kunstform am Herzen liegt - die Filmförderung, das Trickfilmfestival, das Filmbüro, die Volkshochschule, das Haus des Dokumentarfilms und der Kunstverein, um nur einige zu nennen. Ein breites Bündnis also, das bis April 2010 eine Konzeption für einen Neustart des 2008 in die Insolvenz gegangenen KoKi vorlegen möchte.

"Der filmische Diskurs braucht einen zentralen Ort!", postulieren sie in einem Papier, das am Mittwoch Stadträten aller Fraktionen zuging - denn es droht der Filmriss: Die nicht abgerufenen Mittel fürs alte Kommunale Kino könnten anderweitig verteilt und keine Mittel für eine Neubelebung in den Haushalt eingestellt werden.

Das Problem hat mehrere Dimensionen. Das alte KoKi erfüllte lange seine Funktion als Ort für Filmkunst, Weltkino und Klassiker, bis es 1997 zum Herzstück des im früheren Amerikahaus gegründeten Filmhauses wurde. Der damalige Kulturbürgermeister Wolfgang Schuster (CDU) präsentierte das Projekt als großen Wurf, blieb die finanzielle und konzeptionelle Ausgestaltung aber schuldig und wurde Oberbürgermeister. Es begann eine jahrelange Hängepartie , während der die Verwaltungsaufgaben des zum Teil brachliegenden Hauses am KoKi hängenblieben, das dafür weder die Mittel noch die Kompetenz hatte.

Schusters Nachfolgerin Iris Jana Magdowski (CDU) mühte sich redlich, Filmkultur, Gastronomie und Bildungsangebote im Haus zu etablieren und zu fördern, scheiterte jedoch an Umbaukosten und am Widerstand ihrer eigenen Fraktion im Gemeinderat. Der inzwischen wieder abgeschaffte Medienbeauftragte Hans-Joachim Petersen siedelte dann im Alleingang den Club Bett im Erdgeschoss an, dessen jugendliche Party-Klientel bis heute keine Berührungspunkte zur Filmkultur aufweist - eine Fehlbesetzung, die das Haus seither lähmt.

2008 ließ die aktuelle Kulturbürgermeisterin Susanne Eisenmann (CDU), vorher jahrelang kulturpolitische Sprecherin ihrer Fraktion, das KoKi dann in die Insolvenz gehen. Sie scheint die Filmhausidee vorerst aufgegeben zu haben und liebäugelte vorübergehend mit einer Ansiedlung des KoKi im früheren Ambo-Kino am Hauptbahnhof, das aber mit Millionenaufwand saniert werden müsste - im Angesicht der Krise wurde der Plan deshalb fallengelassen.

Aufseiten des alten KoKi hat es freilich auch Versäumnisse gegeben: Der Verein hat es mit einem unübersichtlichen Programm und mangelhafter Außendarstellung so weit gebracht, dass am Ende kein Publikum mehr da war, das gegen die Schließung protestiert hätte - die Institution hatte auch inhaltlich abgewirtschaftet. Für lokale Film- und Festivalmacher, denen das KoKi ein natürlicher Partner war, hat sinnvolle kommunale Filmarbeit dennoch weiterhin ihre Berechtigung. Sie spüren die Lücke und wünschen sich weiterhin ein Filmhaus als Treffpunkt und Ort der Auseinandersetzung. Gut besuchte Filmveranstaltungen mit frischen Konzepten an Orten wie Set oder Tonstudio zeigen zudem, dass Interesse am Medium gerade auch beim jüngeren Publikum vorhanden ist.
 

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