Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 17.12.2009
Séraphine
Überirdisch schön
Blüten, überirdisch schön, Blätter, zerfetzten Augen gleich, Farben, wie sie nur die ungebändigte Natur kennt: Im Museum Charlotte Zander in Bönnigheim sind sie zu bewundern, Séraphine Louis' naive Kunstwerke. Martin Provosts mit sieben Césars gekröntes filmisches Meisterwerk enthüllt nun die Geheimnisse um die 1942 verstorbene, bisher wenig bekannte Autodidaktin. Ulrich Tukur spielt mit feinen Nuancierungen den homoerotischen Kunstsammler Uhde, der das damals 48-jährige Talent entdeckt. Und wie Yolande Moreau die durch körperliche Arbeit Ggeschundene, von religiösem Wahn Motivierte als eine vom Malen Besessene spielt, zeigt totale Hingabe an die Rolle.
Ob Séraphine ihre ungezähmten MalMagien tatsächlich so orgienhaft zelebriert hat, wissen wir nicht - Provost inszeniert sie grandios. Die Einsamkeit der Künstlernatur, die Rauschhaftigkeit des Schaffens: Glauben wir dem Film, hat Séraphine alle Höhen und Tiefen durchlitten. Ihr Leben beendet sie in einer Klinik für psychisch Kranke. Unbedingt ansehen!
Brigitte Jähnigen
17.12.2009 - aktualisiert: 17.12.2009 10:34 Uhr