Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 17.12.2009
Lila, Lila
Wie aus dem Nichts
Das glaubt kein Mensch: Ein kleiner Kellner ohne Esprit findet in einem Nachttisch vom Flohmarkt ein Manuskript, veröffentlicht es als Roman und wird plötzlich umschwärmt - als könne gestohlener Erfolg einen Langweiler wie aus dem Nichts charmant, geistreich und charismatisch machen. Der peinliche Verlierer David Kern, wie Daniel Brühl ihn bräsig spielt, würde niemanden täuschen; trotzdem gewinnt er das Herz seiner Angebeteten (Hannah Herzsprung), die alles hat, was ihm fehlt, und vorher zu Recht nichts von ihm wollte. Die Komik ist überwiegend bemüht, daran kann auch Henry Hübchen nichts ändern, der als angeblicher Urheber des Romans auftaucht und erpresserisch das junge Glück belastet.
Der Schweizer Regisseur Alain Gsponer ("Das wahre Leben") ist ein Talent, an dieser Verfilmung eines Romans seines Landsmanns Martin Suter aber gescheitert - vor allem an der Hauptfigur. Kaum auszudenken, was Billy Wilder, Howark Hawks, Ernst Lubitsch oder Frank Capra aus so einer Geschichte hätten machen können.
Bernd Haasis
17.12.2009 - aktualisiert: 17.12.2009 11:04 Uhr