Stuttgart - Zum Ende eines bewegten Jahres hat die City-Initiative (Cis) Bilanz gezogen. Die Interessenvertretung vieler Händler und Dienstleister sieht die meisten Entwicklungen in der Innenstadt auf einem guten Weg. Auf scharfe Kritik stoßen allerdings die Proteste der Stuttgart-21-Gegner. Auch an die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) richtet sich eine Forderung: Sie sollen am späten Abend die Stadtbahnen länger fahren lassen.
"Die Deutsche Bahn hat die Steilvorlage geliefert, jetzt hoffen wir, dass die SSB sie aufnehmen", sagt Citymanager Hans H. Pfeifer. Die Bahn hat unlängst beschlossen, vor Samstagen, Sonn- und Feiertagen den Betriebsschluss nach hinten zu verschieben und eine zusätzliche S-Bahn auf allen Strecken einzusetzen. So können Fahrgäste bis etwa 1 Uhr nachts noch nach Hause kommen. "Darüber freuen wir uns sehr", so Pfeifer, "für die Leute ist aber nicht nachvollziehbar, warum man bei den SSB nicht etwas Ähnliches hinbekommt." Eine Verlängerung der Betriebszeiten auch dort würde "die Attraktivität des Standorts" erheblich erhöhen.
Bei den SSB reagiert man zurückhaltend auf den Vorstoß. "Wir haben ein gut aufeinander abgestimmtes Verkehrssystem mit fünf Nachtbusabfahrten", sagt Sprecherin Susanne Schupp, "unsere Planer sehen da keine Lücken." Würde man zusätzliche Stadtbahnen am späten Abend anbieten, könnte man laut Schupp die Nachtbusse nicht reduzieren, da sie zusätzliche Ziele bedienten. "Wir hätten also einen Doppelbetrieb", so die Sprecherin. Den gebe es bisher nur bei besonderen Anlässen wie etwa Silvester, wenn mit besonders vielen Fahrgästen zu rechnen ist. Ganz abgeneigt sei man der Idee jedoch nicht: "Wir wollen jetzt erst einmal die Erfahrungen bei der S-Bahn abwarten und danach entscheiden."
Unzufrieden ist die Cis auch mit der Entwicklung beim Thema Stuttgart 21. "Wir sind außerordentlich froh, dass es endlich grünes Licht für das Projekt gibt", sagt Pfeifer, "wir halten es nach wie vor für eine große Chance." Was allerdings von den Gegnern über Monate und Jahre an Negativwerbung gemacht werde, sei "unerträglich" und zerstöre Image und Wirtschaftskraft der Stadt. Es werde "wider besseren Wissens" behauptet, die Innenstadt werde für zehn Jahre zur Baustelle. "Natürlich wird man Auswirkungen spüren", so der Citymanager, "aber bei den Stammtischparolen wird völlig überzogen."
Besonders scharf ins Gericht geht die Cis mit Tübingens OB Boris Palmer. Angesichts dessen Auftritten bei Veranstaltungen der Gegner sagt Pfeifer, der auch SPD-Stadtrat ist: "Dafür habe ich kein Verständnis. Das dient nur der Selbstbeweihräucherung und nicht der Stadt. Er sollte sich um Tübingen kümmern." Beim Thema Stuttgart 21 müsse nun endlich Frieden einkehren, damit man in Ruhe weiterplanen könne.
Genau rechnen muss künftig aber auch die Cis selbst. Bei den Haushaltsberatungen sind ihr die Zuschüsse der Stadt um 9,5 Prozent gekürzt worden, auch die Sponsorensuche ist schwer. Deshalb geht man im nächsten Jahr von einem um zehn Prozent, das sind rund 50.000 Euro, geringeren Budget aus als 2009. Auf die Großveranstaltungen soll sich das nicht auswirken. Im nächsten Jahr sind wieder zwei lange Einkaufsnächte am 27. März und 6. November sowie das Kinderfestival S-City-Fit & Fun am 17. und 18. Juli geplant. Die Autoschau S-City Mobil steht erst 2011 wieder auf dem Programm.
Anlass zur Freude gibt das langsam zu Ende gehende Weihnachtsgeschäft: "Wir sind noch ganz gut durch die Krise geschlittert", sagt Pfeifer, "der Handel in Stuttgart hat sich wacker geschlagen."