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Konkurrenz für Bäckereien

Auch Lidl denkt an Backstationen

Foto: AP

Stuttgart - Discounter mischen den Brötchenmarkt auf. Aldi Süd will seine Märkte demnächst mit Backautomaten ausstatten. Im Sommer könnte Lidl mit Frischgebackenem nachziehen. Angestammte Handwerksbetriebe in der Region wollen sich davon nicht unter Druck setzen lassen, auch nicht preislich.

85 Kilo Gebackenes landet jährlich in den Mägen der Deutschen. Der Markt stagniert, Bäckereien, Spar-Anbieter und der Lebensmitteleinzelhandel kämpfen um jeden Kunden. Mit dem Duft von Frischgebackenem zu Niedrigpreisen wollen nun die Discounter nun den Kauf in ihren Märkten schmackhaft machen. Fünf Jahre lang hat Aldi Süd in einigen Filialen Backautomaten getestet. Das Ergebnis war wohl zufriedenstellend denn der Discounter wird in den kommenden zwei bis drei Jahren sämtliche 1800 Filialen mit Backstationen ausstatten und lässt sich das angeblich 200 Millionen Euro kosten. Aldi-Kunden können dann per Knopfdruck Brötchen, Baguettes oder Brezeln ordern, die in einem gesonderten Raum gebacken werden.

Die Idee ist nicht neu. Andere Supermarktketten haben bereits Stationen eingerichtet, in denen vorbereiteter Teig zu Hörnchen und Bretzeln aufgebacken werden. Sie beziehen ihre Teiglinge tiefgefroren aus Industriebetrieben, häufig aus Mittel- oder Osteuropa. Brot und Brötchen sind bis zu 50 Prozent günstiger als in der Bäckerei. Wenn nun auch noch Aldi bäckt, steigt der Druck auf alle. Branchenkennern zufolge wird Aldi-Konkurrent Lidl schon im Frühsommer in einigen Filialen im Raum Stuttgart frische Brötchen backen. Die Konzernzentrale in Neckarsulm wollte dies nicht bestätigen, räumte aber ein, dass man sich mit dem Thema beschäftige. Keine Angaben gab's zum Zeitpunkt, Sortiment und Preis. "In drei Jahren werden alle Discounter frische Backwaren anbieten", prophezeit der Geschäftsführende Gesellschafter des Backdiscounters Backwerk, Dirk Schneider.

Befürchtungen, der Aldi-Vorstoß könne den Verdrängungswettbewerb auf dem Backwarenmarkt verstärken, sieht die Branche bisher gelassen. "Da wird sich der Lebensmitteleinzelhandel zunächst wohl selbst Konkurrenz machen", schätzt Andreas Kofler, Geschäftsführer des Landsinnungsverbandes für das Württembergische Bäckerhandwerk. "Aber die Kunden entscheiden." Das Handwerk punkte mit einer größeren Auswahl, der Nähe zur Produktion und mit Transparenz. "Warm ist nicht immer frisch", erklärt Kofler. "In den Handwerksbetrieben wissen der Kunde, woher die Waren kommt, und womit sie hergestellt wurde." Bäckereien seien gut beraten, die Entwicklung im Lebensmitteleinzelhandel aufmerksam zu registrieren.

In Baden-Württemberg gibt es derzeit rund 2100 Bäckereibetriebe mit mehr als 44.000 Beschäftigten, bundesweit sind es rund 15000. Einer davon gehört Wolfgang Treiber. 1981 hat er die vom Großvater 1920 in Echterdingen gegründete Bäckerei vom Vater übernommen. Inzwischen ist der Betrieb auf 19 Filialen auf den Fildern und im Süden Stuttgarts gewachsen. Einige davon stehen in unmittelbarer Nähe zu Billig-Supermärkten. "Discounter sind nicht mehr wegzudenken", räumt Treiber ein. Auch in seiner Branche werde der Wettbewerb härter. "Aber Bäcker, die sich der Qualität verschrieben haben, haben auch eine Chance." Die ergreift Treiber, indem er etwa seine Ware mit viel Handarbeit und ohne Einsatz chemischer Triebmittel herstellt, ein spezielles Steinsalz verwendet, Wasser mit Sauerstoff versetzt und Vollkornbrote nach den Bioland-Richtlinien herstellt. "Der Job ist unglaublich personalintensiv", sagt er. "Da können wir preislich nichts mehr machen." Den handwerklichen Bäckereibetrieben komme der hohe Stellenwert entgegen, den Brot und Backwaren in Deutschland immer noch genießen. Sein Tipp: "Ein warmes Bötchen auseinanderbrechen und reinriechen. Dann weiß man, ob Chemie drin ist."
 

Sabine Klotzbücher

22.12.2009 - aktualisiert: 22.12.2009 18:12 Uhr