Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 28.12.2009
Fame
Eine Revue der verpassten Chancen
Wer vergessen hatte, wie gut Alan Parkers Musikfilm "Fame" im Jahr 1980 war, den erinnert dieses unnötige Remake schmerzlich daran. Von der emotionalen Wucht, die Parker abseits der Musik- und Tanzeinlagen auf die Leinwand brachte, dem komödiantischen Charme, dem sanften Coming-of-age-Drama des Originals ist nichts mehr übrig in dieser quirligen Neuinterpretation. Für diese verantwortlich ist Kevin Tancharoen, der bisher durch Musikvideos für Christina Aguilera oder Jessica Simpson und als Regisseur der TV-Serie "Dancelife" nicht wirklich auf sich aufmerksam machte.
Gäbe es das stilbildende "Fame"-Original nicht, würde dieses Remake noch als einigermaßen passabler Tanzfilm und "High School Musical"-Klon durchgehen, der mit sich effektvoll aufplusternden Choreografien nicht gerade geizt. Doch wer Alan Parkers Film kennt, der erlebt dieses Gesinge und Gehüpfe in der New York School of Performing Arts als eine Revue der verpassten Chancen. Denn Tancharoen ist zwar in der Lage, Stimmen und sich bewegende Körper dynamisch in Szene zu setzen, von Charakteren versteht er aber gar nichts.
Das wütend rappende Gettokid Malik, die schüchterne Jenny, die verwöhnte Alice, der smarte Marco und die lebenslustige Joy bedienen von Anfang an nur Stereotype, und keine der Figuren darf wirklich eine Entwicklung durchmachen - während wild herumgehüpft wird, bleibt die Geschichte stur auf der Stelle stehen.
Leihen Sie sich lieber in einer Videothek Alan Parkers "Fame" aus, oder hoffen Sie darauf, dass endlich mal auf irgendeinem Kanal die auf diesem Film basierende TV-Serie wiederholt wird, anstatt sich im Kino über dieses herzlose Remake zu ärgern.
Gunther Reinhardt
28.12.2009 - aktualisiert: 28.12.2009 10:24 Uhr