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... warum wir Stuttgart lieben (45)

Das Porsche-Museum

Foto: Hörner

"UHWAMMM!"
 

Es ist eng im Cockpit, mit Schalensitz, Überrollbügeln, Hydraulikschläuchen, Schaltern und Instrumenten. Es riecht nach Benzin, Öl und Gummi. Von außen sieht der blau-weiße Porsche 911 fast aus wie ein Serienfahrzeug. Innen ist es ein reinrassiger Rennwagen. "Dann starten wir mal", sagt Walther Layer und legt den Batteriehauptschalter um. Ein Zittern geht durch die Instrumente. Der Mechaniker ist zufrieden. Ein kurzer Blick, ein Druck aufs Gaspedal. Zündung. UHWAMMM! UHWAMMM! UHWAMMM!

Mit harten, metallischen Schlägen springt der Motor an. UHWAMMM! UHWAMMM! Bei jedem Gasstoß bebt die ganze Karosserie. UHWAMMMM! Aus den Auspuffrohren, die keinerlei Schalldämpfer haben, kracht eine Kakofonie. UHWAMMM! UHWAMMM! Für Layer ist es kein Krach, sondern Musik in den Ohren. Dabei verlangt das Zusammenspiel zwischen Fuß auf dem Gaspedal, Augen auf dem Drehzahlmesser und dem Gehör volle Konzentration. UHWAMMM! UHWAMMM! Bei 2500 Umdrehungen pro Minute ist der 3,2-Liter-Sechszylinder höllisch laut. Bei 3000 Umdrehungen schreit er. Bei 5000 brüllt er. So fühlt sich ein Rennmotor wohl. Layers Augen glänzen. "Schön, was?", ruft er. Ja. Schön. Sehr schön.

Das akustische Inferno im Heck hat die Franzosen René Metge und Dominique Lemoyne 21 Tage lang begleitet, als sie den Carrera 12 000 Kilometer über Stock und Stein von Paris nach Dakar im Senegal prügelten. Das war 1984. Heute steht der Wagen dieser Rallye im Porsche-Museum. "Alle Fahrzeuge sind in kürzester Zeit fahrbereit", erklärt Werkstattleiter Kuno Werner die Philosophie des 2009 eröffneten Werkmuseums.

Dafür scheut das Unternehmen kaum Kosten und Mühe: Bei manchen Autos genügt eine Inspektion - bei anderen sind kostspielige Nachbauten einzelner Teile unumgänglich. Am Ende fährt jeder Porsche, wie am ersten Tag. "Wir kapitulieren nie", sagt Werner. Die Museumsflotte ist Werbung und Imagepflege. Über 80 Renn- und Sportwagen kommen bei Nostalgierennen und Oldtimertreffen weltweit zum Einsatz. Im Heimatmuseum - wo die Wagen angelassen werden, aber nicht fahren - demonstrieren sie dem Publikum akustisch, was in einem Porsche steckt. Natürlich ist dieses Motorgeheul auch kindisch und unvernünftig, Aug in Aug mit dem Klimawandel. Wer aber nur einen Tropfen Benzin im Blut hat, ist ganz Ohr. UHWAMMM! UHWAMMM! Auch so klingt Stuttgart.
 

Michael Isenberg

21.12.2009 - aktualisiert: 05.01.2010 17:14 Uhr

 



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