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... warum wir Stuttgart lieben (46)

Die Oper

Foto: dpa

Applaus
 

Bevor ich nach Stuttgart gezogen bin, hab' ich mir wenig aus Opern im Allgemeinen und der Oper als Institution im Besonderen gemacht. Langatmig, langweilig, längst überholt: Vorurteile ersetzten Urteile. In Stuttgart bin ich zum Opern-Fan geworden. Dazu beigetragen haben so spannende Inszenierungen wie die der Mozart-Oper "Die Entführung aus dem Serail", der zeitgenössischen Oper "Das Mädchen mit den Schwefelhölzern" von Helmut Lachenmann oder die Inszenierung von "Die Gezeichneten", einer Oper des Komponisten Franz Schreker (1878 bis 1934).

Nun mag man einwenden, dass diese Aufführungen in die Ära des früheren Intendanten Klaus Zehelein fallen und die Oper unter Albrecht Puhlmann an Qualität eingebüßt habe. Das kann ich so nicht bestätigen. Dass die Stuttgarter Oper und ihr eingespieltes Ensemble nach wie vor Applaus verdienen, wurde mir beim Besuch so berühmter Häuser wie der Metropolitan Oper in New York und des Opernhauses in Sydney deutlich. Die Aufführungen dort schmierten im Vergleich mit denen der Stuttgarter Oper regelrecht ab.

Zwar standen routinierte Sängerinnen und Sänger mit makellosen Stimmen auf der Bühne. Aber das war es dann auch schon. Bühnenbild und Inszenierungen gingen auf Nummer sicher. Statt innovatives Theater wie auf Stuttgarts Opernbühne gab es konservative Schaus für ein anspruchsloses Publikum, die bei den Stuttgarter Opernbesuchern glatt durchgefallen wären - und das zu horrenden Kartenpreisen. Nach solchen Vorstellungen weiß ich wieder ganz genau, was ich an der Stuttgarter Oper habe: Qualität zum vernünftigen Preis. Und das entspricht meiner schwäbischen Mentalität. Mit etwas Ausdauer sind sogar günstige Premierekarten zu bekommen.

Dass 2011 auf Puhlmann Jossi Wieler als Intendant folgt, macht mich jetzt schon neugierig auf künftige Aufführungen. Denn Wielers Pläne sind vielversprechend: Ein breites Repertoire, in dem zeitgenössische Werke Platz haben, und das angestammte Ensemble, das auch jungen Stimmen eine Chance bietet, sollen die Stuttgarter Oper künftig noch ein Stück mehr unverwechselbar machen.
 

Eva Funke

28.12.2009 - aktualisiert: 05.01.2010 17:14 Uhr

 



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