Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 31.12.2009
Triff die Elisabeths!
Ohne Schwarz-Weiß-Malerei
Regisseur Lucien Jean-Baptiste nimmt in einer warmherzigen Winterkomödie den Rassismus aufs Korn
Was tun, wenn man den Kindern einen Skiurlaub versprochen, aber kein Geld hat? Jean-Gabriel (Lucien Jean-Baptiste) sieht sich in dieser verzwickten Situation, und seine Frau Suzy (Anne Consigny) macht ihm klar, dass sie ihm nicht helfen wird - immerhin rackert sie sich jeden Tag als Putzfrau ab und bringt das Geld nach Hause. Jean-Gabriel ist zwar ein netter Kerl, aber er haut das Geld lieber auf den Kopf bei Pferdewetten oder in Kneipen mit Freunden. Wie also Urlaub und Skiausrüstung finanzieren? Doch Jean-Gabriel ist pfiffig und organisiert mit viel Fantasie alles Erforderliche - auf Pump, geliehen oder geschenkt. Als Suzy nicht mitfahren möchte, rekrutiert er kurzerhand seine resolute Mutter. Allerdings reißen die Probleme nicht ab. Weil Jean-Gabriel und seine Familie die einzigen dunkelhäutigen Skifahrer - und auch noch Anfänger - sind, stehen sie nicht nur unter amüsierter Beobachtung, sondern werden nicht gerade bösartig, aber doch verletzend mit offenem und verstecktem Rassismus konfrontiert. Jedes der fünf Familienmitglieder geht anders mit den Herausforderungen um.
Und das ist das Schöne an dieser Komödie, in der jegliche Schwarz-Weiß-Malerei vermieden wird. Souverän und vergnüglich beschreibt der Komiker, Schauspieler und hier auch Regisseur Lucien Jean-Baptiste in seinem Kinodebüt die alltäglichen Widrigkeiten des Lebens, die durch fleißig in die Welt gesetzte Vorurteile entstehen. Zwar spielt in der Ehe von Suzy und Jean-Gabriel die Hautfarbe keine Rolle, doch die Umgebung nimmt der Regisseur so liebevoll wie intelligent und mit leisen kritischen Untertönen aufs Korn. Ganz nebenbei stellt sich heraus, dass Suzys bourgeoise Eltern ihre Tochter verstoßen haben, weil sie einen "Schwarzen" geheiratet hat.
Mitunter nutzt Jean-Baptiste auch genussvoll gängige Klischees und Bilder, um noch eins draufzusetzen. In einer Szene etwa lässt er die charakterstarke Mutter mit ihren ebensolchen Freundinnen gemeinsam auf dem Sofa sitzend in einer Art Gospelchor die Nichtsnutzigkeit ihres Sohns beklagen. Klar, gibt es auch typischen Slapstick, verwegene und manchmal reichlich dick aufgetragene Aktionen, doch auch das darf bei einer Komödie sein. Selten präsentiert sich eine Winterkomödie so ausgefallen ausgelassen und warmherzig.
Eva Maria Schlosser
31.12.2009 - aktualisiert: 31.12.2009 09:52 Uhr