"Zicke zacke zicke zacke hoi hoi hoi!" Viel mehr als dieser Schlachtruf fiel mir damals nicht ein, als ich das erste Mal Stuttgart besuchte und meine Gastgeber sagten, wir würden mit der Zacke in die Stadt fahren. An der Haltestelle Degerloch dann die Erleuchtung: Eine Zahnradbahn. Dieses mächtige Verkehrsmittel, das stärkste Steigungen überwindet, indem Zahnräder an der fest verankerten Zahnstange empor- oder hinunterklettern wie an einer Leiter. Das mag nicht besonders schnell gehen. Doch wer schon einmal die Weinsteige zu Fuß hochlaufen musste, wird sich darüber sicher nicht beschweren.
Dass die Zacke ihren Fahrgästen diese Mühe erspart, ist zweifellos eine feine Sache, für Begeisterungsstürme aber natürlich noch etwas zu wenig. Auch bei meiner ersten Fahrt hielt sich die Euphorie zunächst noch in überschaubaren Grenzen. Das änderte sich, als die Zacke den Haigst passierte und sich das Panorama Stuttgarts hinter den Bäumen und Häusern hervorschälte. Was für ein Anblick.
Mein erster Eindruck von Stuttgart war einen Tag zuvor mehr als schlecht gewesen. Ein Stau auf der B 27 nach Degerloch, danach ein älterer Herr, der mir die Vorfahrt nahm und mich zu einer Vollbremsung veranlasste. In dem Moment, als ich in der Zacke saß und auf die Stadt hinabblickte, versöhnte ich mich innerlich in Bruchteilen von Sekunden mit Stuttgart. Diese Aussicht war überwältigend und wirkte gleichzeitig idyllisch. Mir war klar, dass die Stadt auf keinen Fall so schlimm sein kann, wie es mir mein erster Eindruck glauben machen wollte. Kessellage ist ein Wort, das oft in einem Atemzug mit Stuttgart genannt wird. Es klingt nicht besonders schön, als wäre die Stadt eingekeilt, als würde sie vor sich hinbrodeln und -dampfen. Wie anmutig diese Kessellage aber in der Realität aussieht, sollte man sich unbedingt von der Zahnradbahn aus ansehen.
Vor vier Monaten bin ich nach Degerloch gezogen, so schließt sich der Kreis. Warum die Zacke Zacke heißt, hat man mir inzwischen erklärt. Deshalb bricht mir auch kein Zacken aus der Krone, wenn ich Freunden und Verwandten, die mich das erste Mal in Stuttgart besuchen, erkläre, dass sie unbedingt mit der Zacke fahren müssen.