Esslingen - Sie rocken nicht nur rund um Esslingen, sondern auch für die Bundeswehr: Die Polizisten-Band Crimestop hat schon in Afghanistan für die Soldaten gespielt. In Kundus, Masar-i-Scharif und Kabul traten die Musiker im Oktober 2008 in den Militärcamps vor deutschen und internationalen Soldaten auf. "Das war einfach krass", sagte der Keyboarder der Band, Uli Stöckle. Trotzdem würden Crimestop jederzeit wieder nach Afghanistan reisen - vorausgesetzt, die Sicherheitslage erlaubt es.
"Als die Jungs bei mir anriefen und sagten: "Hey, willst du mit der Band nach Afghanistan?", da habe ich erst mal meine Knirpse auf dem Sofa angeschaut und gedacht: Das kannst du nicht bringen." Uli Stöckle, Sprecher der Polizeidirektion Göppingen, muss lachen, als er an die Szene vor eineinhalb Jahren zurückdenkt. "Am Ende habe ich natürlich doch zugesagt." Und ehe Stöckle sich versah, saß er mit der Band im Flugzeug nach Kabul.
Im Jahr 1991 hat Uli Stöckle Crimestop mit seinem Kollegen Jochen Mejzlik und drei Freunden gegründet. Geprobt wird - wenn auch eher unregelmäßig - in der Polizeidirektion Esslingen. Bei über 500 Konzerten haben Crimestop bislang gespielt, zum Beispiel bei einem VfB-Spiel im Neckarstadion und im Frauengefängnis in Schwäbisch Gmünd.
Der absolute Höhepunkt aber war die Reise nach Afghanistan im Oktober 2008. Über eine Bekannte kamen sie damals in Kontakt mit dem leitenden deutschen Polizeibeamten in Kabul. "Er war sofort begeistert, als ich ihm von unserer Band erzählt habe", sagt Mejzlik. Und noch am selben Abend stand fest: Crimestop sollen in Afghanistan in den Militärcamps auftreten.
Einen Monat später saßen die fünf im Flugzeug - mit Vorfreude, aber auch mit einem gewaltigen Bammel vor dem, was sie erwarten würde. In Kundus angekommen, wurden sie erst einmal in Sicherheitswesten gesteckt. "Überall um uns herum hat man Zerstörung gesehen", erinnert sich Sänger Gerd Kannemann. "In der Kantine im Lager konnte man noch die Einschlaglöcher der Raketen sehen."
Beim Auftritt vor den Soldaten dauerte es über eine Stunde, bis die Musiker das Eis brechen konnten. "Manche von ihnen waren völlig traumatisiert", sagt Kannemann. "Viele hatten Kameraden verloren, und wenn man mit ihnen gesprochen hat, hatten sie Tränen in den Augen." Acht Tage lang reisten Crimestop von Kundus nach Masar-i-Scharif und von dort weiter nach Kabul. "Die Stadt war ein richtiges Kriegsgebiet", sagt Paul Mejzlik. "Überall Soldaten, es war verdreckt, verstaubt, und ein Fäkaliengeruch hing in der Luft." Auf einer der Fahrten im gepanzerten Bundeswehrwagen sagte der Fahrer plötzlich zu den Musikern: "Passt auf die weißen Toyotas auf." Und als die fünf nach dem Grund fragen, meinte er nur trocken: "Das sind meistens die mit den Bomben."
"Das war einfach krass", meint Uli Stöckle. Trotzdem würden sie jederzeit wieder nach Afghanistan reisen - vorausgesetzt, die Sicherheitslage erlaubt es. Tatsächlich machten sich die fünf schon ein Jahr später noch einmal auf den Weg in ein Krisengebiet - diesmal ins Kosovo: "Eine ganz andere Erfahrung", sagt Gerd Kannemann. "Die Soldaten dort waren natürlich sehr viel entspannter."
Welche Reise als nächstes ansteht? "Mal sehen", sagt Paul Mejzlik - und sieht dabei schon wieder sehr unternehmungslustig aus.