Artikel aus der Nord-Rundschau vom 07.01.2010
(Stuttgarter Neues Tagblatt, 4. Januar 1910)
Botnang ... Die am Sonntag abgehaltene Generalversammlung des Gesangvereins "Harmonie" war von zirka 35 Mitgliedern besucht. Der Beschluß der Sänger: unter den jetzigen Umständen - wegen Nichtunterstützung, ja sogar direkter Bekämpfung ... seitens der Parteigenossen und der Freien Turnerschaft - nicht mehr weiter zu singen, rief eine sehr lange und zum Teil erregte Debatte hervor, nach deren Beendigung ein aus der Mitte der Versammlung gestellter Antrag, den Verein aufzulösen, mit 25 gegen 4 Stimmen und 4 weiße Zettel angenommen wurde.
Das Inventar und das noch verbleibende kleine Restvermögen geht in die Verwaltung des Soziald. Vereins Botnang über. Wenn man miterlebt hat, wie die Sänger jahrelang kämpften, ohne einen Erfolg zu sehen, so erscheint ihr Beschluß begreiflich, auch wenn man ihn nicht billigen kann. Möge die in der Debatte ausgesprochene Vermutung, daß in absehbarer Zeit doch wieder ein Arbeitergesangverein gegründet wird, bald in Erfüllung gehen. Ein solcher kann aber nur gedeihen, wenn er sich der Sympathie der gesamten organisierten Arbeiterschaft erfreut.
(Schwäbische Tagwacht, 7. Januar 1910)
Die Kolumne "Vor 100 Jahren" wird von unserem Mitarbeiter Ulrich Gohl betreut. Sie erscheint immer dann, wenn er im Staatsarchiv bei der Lektüre alter Lokalzeitungen Lustiges oder Merkwürdiges aus alten Tagen entdeckt hat.
07.01.2010 - aktualisiert: 07.01.2010 06:02 Uhr
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