Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 07.01.2010
Haben Sie das von den Morgans gehört?
Gründlich weichgespült
Eigentlich ist alles da, was eine Screwball-Komödie braucht: Das frisch getrennte, neurotische New Yorker Ehepaar Morgan wird Zeuge eines Mordes, doch der Täter sieht auch sie, und so müssen sie sich unter falschen Namen im US-Bundesstaat Wyoming verstecken, dem Land der Cowboys, Rodeos und Grizzlies; mit Sarah Jessica Parker ("Sex And The City") und Hugh Grant ("Notting Hill") sind zudem die Hauptrollen kompetent besetzt. Trotzdem stellt sich nur mäßiges Vergnügen ein, denn der mutlose Regisseur und Autor Marc Lawrence setzt den Protagonisten zu wenig zu und hat auch den Aufeinanderprall der Stadt-Zombies mit den Landeiern gründlich weichgespült. Statt sich nach allen Regeln der Kunst zu beharken, raufen sich die Morgans im Exil romantisch zusammen, auch die griesgrämigsten Prärie-Bewohner sind letztlich ganz lieb, und deplatziertes Jogging in der Prärie oder Bären-Abwehr-Spray in den Augen sind allenfalls nette, aber dünne Gags. Lawrence, der in "Music & Lyrics" vieles richtig gemacht hat, kratzt an der Oberfläche, doch sobald sich ein Konflikt auftut und es richtig lustig werden könnte, zieht er die Spaßbremse. Parker, die mehr kann, kopiert nur Carrie Bradshaw, und Hugh Grant wirkt derart unterfordert, dass sein wie immer köstlicher britischer Witz fast schon verzweifelt wirkt. Auf ganz harmlose Art unterhaltsam ist das allemal - doch die vertane Chance schmerzt.
Bernd Haasis
07.01.2010 - aktualisiert: 07.01.2010 10:34 Uhr