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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 07.01.2010

Die Schachspielerin

Altmodischer Stoff über starke Damen

"Die Dame ist die stärkste Figur", flüstert Hélène (Sandrine Bonnaire) - sie begreift, dass auch sie als Frau Kraft hat. Bisher besteht ihr Leben aus Putzjobs in einer Pension und bei dem verschrobenen Kröger (Kevin Kline). Doch dann sieht sie bei der Arbeit im Hotel ein Paar, das sich auf dem Balkon über ein Schachbrett beugt. Für Hélène geht eine verführerische Magie von dem Spiel aus. Wie eine Süchtige beginnt sie, es zu lernen, und blüht dabei auf. Sandrine Bonnaire spielt die biedere Hausfrau ebenso gut wie die vorsichtig selbstbewusste Schachspielerin. Sie gibt der Figur etwas eigentümlich Gehemmtes, von dem sie sich nur bei einem Sieg befreit. Regisseurin Caroline Bottaro will das Schachspielen zu einer Metapher machen für die Leidenschaft einer Frau, die sich über Grenzen hinwegsetzt. Aufs Publikum springt der Funke jedoch nicht über. Die Dramaturgie der einzelnen Schachpartien ist zu unoriginell, als dass sie den Laien in ihren Bann zöge. Und so gönnt man Hélène zwar gerne jeden Fortschritt am Schachbrett, doch das Zusehen langweilt mit der Zeit. Außerdem ist der Stoff altmodisch: Es ist in Europa heute nicht mehr spektakulär, wenn eine Frau sich zum Schachspielen bekennt, statt zu putzen.
 

Anne Guhlich

07.01.2010 - aktualisiert: 07.01.2010 10:42 Uhr

 


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