Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 07.01.2010
13 Semester
Nachruf auf den Bummelstudenten
Dieser Film handelt von einer ausgestorbenen Gattung: dem Bummelstudenten. So einer ist Provinzjunge Moritz (Max Riemelt), dessen Weg zur Diplomprüfung in Rückblenden erzählt wird. "Schauen Sie mal nach rechts und nach links", sagt der Professor für Wirtschaftsmathematik den Studenten in Darmstadt, "rein statistisch gesehen werden Sie die beiden Kommilitonen beim Diplom nicht wiedersehen." Die Prognose soll sich für Moritz bewahrheiten: Die anderen sind viel schneller fertig als er. Getreu dem Motto "Der frühe Vogel kann mich mal" lässt er sich von Partys, dubiosen Geschäftsideen und seiner großen Liebe Kerstin (Claudia Eisinger) ablenken. Weil er lieber zum Badesee als in die Bibliothek geht, fliegt er aus der Lerngruppe und muss in Nachtschichten mit dem fröhlichen Inder Aswin (Amid Shah) alles nachholen. Stets an seiner Seite: Mitbewohner Bernd (Alexander Fehling). Der ist nur in Sachen Frauen erfolgreicher: Beim Busen-Memory schlägt ihn keiner.
Der Stuttgarter Regisseur Frieder Wittich besetzt mit seinem Kinodebüt eine Marktlücke in der deutschen Filmlandschaft. Während der Collegefilm in den USA ein eigenes Genre ausmacht, schafft es die Uni hierzulande kaum auf die Leinwand. Kein Wunder: Deutsche Campusgelände sind grau und unglamourös. Dass er daraus keinen Hehl macht, ist die Stärke des Films. Er zeigt die Wohnung der Studenten, die Uni und Darmstadt so trostlos und normal, dass es schon wieder charmant ist. Dazu ist der Film mit unbekannten, aber glänzenden jungen Schauspielern besetzt. "13 Semester" mag zwar ein Nachruf sein auf eine ausgestorbene Menschengattung - selten jedoch ist ein Tod so lustig.
Anne Guhlich
07.01.2010 - aktualisiert: 07.01.2010 10:55 Uhr