Artikel aus der Filder Zeitung vom 13.01.2010

 

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Ein Snooker-Talent eifert "Mister 147" nach

Snooker. Wladimir Ponomarenko ist amtierender deutscher U-16-Meister. Von Susanne Degel
 

Die World Snooker Main Tour macht derzeit Station in London. Dort, in der Wembley-Arena, haben sich am Montag der Schotte Stephen Maguire und der Engländer Mark King ein spannendes Duell geliefert. Einer, der die Partie zwischen dem Dritten und dem 16. der Weltrangliste gespannt am heimischen Fernsehen in Rohr verfolgt hat, war Wladimir Ponomarenko - seines Zeichens amtierender deutscher U-16-Meister im Snooker, einer Variante des Präzisionssports Billard, die mit speziellen Queues auf einem Snookertisch gespielt wird. "Wenn Turniere im Fernsehen gezeigt werden, sitze ich oft davor", sagt der 16-Jährige. Auch, um sich von den Profis einiges abzuschauen. Denn einen Trainer gibt es bei seinem Heimatverein, dem Planet Pool (PP) Böblingen, nicht. "Das meiste bringe ich mir selbst bei", sagt der gebürtige Weißrusse, der als Siebenjähriger mit seinen Eltern von Minsk nach Stuttgart gekommen ist.



Vier- bis fünfmal in der Woche fährt er zu Übungszwecken nach Böblingen. 45 Minuten dauert die Fahrt mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Da bleibe zwar viel Zeit auf der Strecke, doch ohne intensives Training stünde man beim Snooker auf verlorenem Posten. "Man braucht Tausende von Stößen, bis mal was zur Routine wird", sagt der Gymnasiast, einer von ganz wenigen Nachwuchsspielern in Baden-Württemberg.



Seine Leidenschaft für das für einen Teenager eher ungewöhnliche Hobby hat er vor knapp vier Jahren entdeckt. Auch damals saß er vor dem Fernseher und hat - rein zufällig - in eine Snookerpartie gezappt. Mit seinem Vater, einem Programmierer, hat er später im Internet den Böblinger Verein ausfindig gemacht. "Als ich das erste Mal dort gespielt habe, hat natürlich nichts geklappt", sagt der Elftklässler am Vaihinger Fanny-Leicht-Gymnasium und grinst. Trotzdem ist er dabei geblieben. "Es hat Spaß gemacht. Mir gefällt es einfach, die Kugeln einzulochen", sagt er. Snooker sei kein hektisches Spiel, man brauche gute Nerven und muss immer mit dem Kopf bei der Sache sein.



Vor einem Jahr nun hat er das Kicken beim TSV Rohr aufgegeben und dafür das Snooker-Training intensiviert. Nicht ohne Grund: der 16-Jährige hat Talent und Potenzial. Auch der Landestrainer Frank Schröder, bei dem er im vergangenen Frühjahr vor den nationalen Titelkämpfen zwei Kurzlehrgänge absolviert hat, hat dies erkannt.



"Die zweite Bundesliga traut er mir schon bald zu", sagt Wladimir Ponomarenko, der mit dem PP Böblingen in der Oberliga, der höchsten Klasse in Baden-Württemberg, spielt. Allerdings ohne großen Erfolg. Die beiden Böblinger Teams belegen derzeit den letzten und vorletzten Platz. Dabei dürfte es aber ohnehin nur noch eine Frage der Zeit sein, ehe der Teenager zum Billard-Club (BC) Stuttgart wechselt, der mit seiner ersten Mannschaft in der zweiten Bundesliga vertreten ist. "Man hat mir angeboten zu kommen", sagt Wladimir Ponomarenko. Einziges Problem: Das Spiellokal des BC befindet sich in Ludwigsburg. Und weil das mit Bus und Bahn in weniger als einer Stunde nicht zu erreichen sei, sei an einem Wechsel derzeit nicht zu denken. Zumal auch die Anforderungen in der Oberstufe für den Schüler mit dem Lieblingsfach Physik nicht weniger würden.



Um dennoch intensiver trainieren zu können, sucht der Rohrer jetzt einem geeigneten Raum, in dem er seinen eigenen Snookertisch aufstellen kann. "Ich will ja stetig besser werden und künftig auch mehr Turniere spielen", sagt der 16-Jährige, dessen großes Vorbild Ronnie O"Sullivan ist. Der 34-jährige Engländer, die Nummer eins der offiziellen Weltrangliste, habe Snooker "einfach im Blut". 1997 ist O"Sullivan, auch "Mister 147" genannt, das schnellste Maximum Break gelungen. In 5:20 Minuten hat er alle Bälle eingelocht und damit die Höchstpunktzahl von 147 erreicht, ohne dass sein Gegner ein einziges Mal an den Tisch gekommen ist. Eine Leistung, die Wladimir Ponomarenko freilich noch nicht annähernd gelungen ist. 41 Punkte hat er einmal in Serie bei einem offiziellen Turnier verbucht, inoffiziell, sagt er, seien es sogar einmal 75 gewesen. Ein Grund mehr also, täglich zum Queue ("Das ist mein Heiligtum") zu greifen. Schließlich will der Talentierte, der längst perfekt Deutsch spricht, irgendwann selbst einmal Profi werden und bei der Main Tour mitspielen. "Das ist mein größter Traum", sagt er. Ob sich dieser erfüllen lässt, wird sich in den kommenden Jahren zeigen. Bis dahin dürfte Wladimir Ponomarenko allerdings noch einige Stunden vor dem Fernseher verbringen und sich von seinen Idolen das ein oder andere abschauen.
 

13.01.2010 - aktualisiert: 13.01.2010 06:03 Uhr

 

 



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