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Was bedeutet?

glòechig

Wiå däår mit Fãefåsiebåzge no glòechig isch, dess isch kaom zomm glaobå. Wem das Wort glòechig nicht bekannt sein sollte, kann wohl aus diesem Satz entnehmen, wofür es steht: gelenkig, geschmeidig, nicht steif. In der Chronik der Grafen von Zimmern aus dem 16. Jahrhundert kann man lesen: "wie des morgens der graf ufsteen (wollte), do war er dermaszen an schenklen erstarret, das er nit ufkommen oder geen kunt, und muest in der diener mit macht ufheben und lang umbher fieren, bisz im die pain widerumb gelaich wurden."

Wer gelenkig ist, braucht zwischen den Knochen entsprechende Scharniere, um die täglichen körperlichen Anforderungen zu meistern, im Schwäbischen sogenannte Glòech. Biegsam und anpassungsfähig muss auch eine Kette sein, deshalb nennt man die einzelnen Glieder, also die Ringe einer Kette, ebenfalls Glòech. Die Begriffe Glòech und glòechig fehlen im Wortbestand der deutschen Sprache, in der mittelhochdeutschen Form sind sie als Geleich und geleichig geschrieben und gehen auf das Stammwort leichen zurück, das, wie im Deutschen Wörterbuch der Gebrüder Grimm zu lesen ist, unter anderem auch die Bedeutung "von dem plastischen schnellen der gelenke beim gehen" hat.

Geleich bzw. Gleich (bei Ausfall des e der Vorsilbe ge-) wird nicht wie das Wort gleich (sofort) mit einem ei, sondern mit einem ae gesprochen, also Glaech. Wörter mit dieser Aussprache haben das sogenannte "alte ei", da sie schon vor weit über tausend Jahren so ausgesprochen worden sind, während "gleich" als gleich gesprochen das "junge ei" besitzt, da es vor etwa 600 Jahren noch mit einem langen i, also glich, gesprochen und geschrieben wurde. Das ist heute noch im alemannischen Sprachraum bei vielen solcher Wörter üblich. Wörter mit dem "alten ei" erfahren im Schwäbischen eine Umlautung zu òe, im Gebiet am oberen Neckar eine Umlautung zu òå. Deshalb spricht man dort von Glòåch und glòåchig.


Schwäbische Begriffe und ihre Geschichte. Was fällt Ihnen dazu ein? Schreiben Sie uns: Zentralredaktion, Postfach 10 44 52, 70039 Stuttgart, Stichwort: Schwäbisch, Fax: 07 11 / 72 05 - 73 09; land@stn.zgs.de
 

Roland Groner

01.01.2010 - aktualisiert: 13.01.2010 18:13 Uhr

 



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