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Rolltreppen

Nicht überall kleben Verbots-Piktogramme

Foto: Franziska Kraufmann

Stuttgart - Seit 1. Januar gilt innerhalb der Europäischen Union: Die Mitnahme von Kinderwagen auf Rolltreppen ist untersagt. Wer trotz entsprechender Hinweisschilder fährt, tut dies auf eigene Gefahr. In der Stuttgarter Arnulf-Klett-Passage allerdings gibt es rollende Treppen ohne das Verbots-Piktogramm.

Darf ich, oder darf ich nicht? Ein fehlendes Piktogramm kann dieser Tage all diejenigen Benutzer von Rolltreppen ins Grübeln bringen, die in der Arnulf-Klett-Passage am Hauptbahnhof mit einem Kinderwagen unterwegs sind. Denn die Kennzeichnung der fahrbaren Treppen ist unterschiedlich.

Wer nämlich von der Ladenebene hinauf in den Hauptbahnhof oder hinunter zu den S-Bahn-Gleisen kommen möchte, benutzt fahrende Wege, die im Zuständigkeitsbereich der Bahn liegen und kein Piktogramm aufweisen. Wer jedoch mit Kind und Wagen nach unten zur Stadtbahn oder nach oben in Richtung Königstraße fahren will, wird von den neu angebrachten Verbotsschildern gebremst. Diese Rolltreppen wiederum liegen im Zuständigkeitsbereich der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB).

Das Durcheinander ist vorprogrammiert. "Das sorgt sicherlich für Verwirrung bei den Bürgern", sagt Werner Pfisterer, Leiter der Abteilung Bauunterhaltung und Betriebstechnik im Stuttgarter Tiefbauamt. Seiner Meinung nach könne der fehlende Aufkleber im Schadensfall für den Betreiber der Rolltreppe die Konsequenz haben, bei einem möglichen Unfall mit Kinderwagenbeteiligung trotz des Verbotes zu haften. "Meiner Ansicht nach zählt das zur Sorgfaltspflicht eines Betreibers", ergänzt Pfisterer. Zwingend sei die Anbringung eines Aufklebers jedoch nur bei Neuinstallationen von Rolltreppen.

Bisher ist jedoch noch kein Musterfall aufgetreten, der für mehr Klarheit in der Haftungsfrage sorgen könnte. "Zudem müssten in jedem Fall die Umstände eines Unfalls genau berücksichtigt werden", sagt Katrin Rüter, Pressesprecherin des Gesamtverbands der Versicherungswirtschaft (GDV).

Bei den SSB allerdings zerbricht man sich darüber keinen Kopf. "Bis spätestens Mitte dieser Woche müssten alle unsere 102 Rolltreppen mit den neuen Piktogrammen ausgestattet sein", erklärt SSB-Pressesprecherin Susanne Schupp. Auch in den Stuttgarter Kaufhof-Filialen besteht keine Gefahr, von fehlenden Aufklebern verwirrt zu werden. "Wir hatten schon seit Jahren blaue Gebotsschilder für die richtige Handhabung von Kinderwagen angebracht. Jetzt sind so gut wie alle gegen Verbotsschilder ausgetauscht worden", sagt Thomas Benedetti, Geschäftsführer der Galeria Kaufhof in der Königstraße.

Einzig die Bahn benötigt noch Zeit, um für klare Verhältnisse im Hauptbahnhof und der Klett-Passage zu sorgen. "Die Piktogramme sind schon bestellt", hat Pfisterer erfahren. Eine Bahnsprecherin bestätigt dies: "Bis Ende des ersten Quartals sollen die Arbeiten abgeschlossen sein."

So lange sorgen die fehlenden Verbotsschilder noch für Irritationen bei der Rolltreppennutzung. Wer auf Nummer sicher gehen will, sollte ohnehin lieber den Aufzug, fremde Hilfe oder einen Umweg über den Nordflügel des Bahnhofs in Kauf nehmen, um sich später Ärger zu ersparen.
 

Sven Gruber

19.01.2010 - aktualisiert: 19.01.2010 13:27 Uhr

 



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