Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 21.01.2010
Vorstadtkrokodile 2
Sabotage im Revier
Schon der erste Teil der "Vorstadtkrokodile" hatte sich von Max von der Grüns literarischer Vorlage gelöst, die Geschichte aus den 1950er Jahren wurde konsequent entrümpelt und im Jargon von heute erzählt. Teil 2 geht noch weiter und bietet ein sehenswertes und rasantes Action-Spektakel: Auf der Suche nach einem neuen Hauptquartier müssen die "Krokodile" eine verrottete Hängebrücke überqueren, und sie liefern sich in einer alten Fabrikhalle Verfolgungsjagden mit zwei Industriesaboteuren. Die legen ein ganzes Industrierevier mit einem USB-Stick lahm - ein an den Haaren herbeigezogener Plot, der dank der sorgfältigen Inszenierung aber völlig in den Hintergrund tritt.
Gut beobachtet, einfühlsam und stimmig fasst Christian Ditter das Lebensgefühl der Zwölf- bis Vierzehnjährigen in Bilder, die sich von zu Hause abnabeln, in der Welt der Szenenlokale aber noch als Kindergartenbande gelten. Ganz im Gegensatz zur zwei Jahre älteren Jenny, der Cousine von Rollstuhlfahrer Kai, auf den sie während der Ferien aufpassen soll. Sie sieht gut aus und trägt teure Klamotten. Die Vorstadtkrokodile sind in ihren Augen eine Ansammlung Behinderter, mit denen sie nichts zu tun haben möchte. Doch als die Krokodile die Sabotage entdecken und die Täter beschatten, wird sie unvermittelt in das Abenteuer verwickelt. Dabei lernt das Mädchen aus der Großstadt die Solidarität der Revierbande schätzen, die zusammenhält, egal was passiert.
In solchen Momenten schimmert dann doch wieder das humanistisch orientierte Anliegen von Max von der Grün durch in einer Geschichte, die ansonsten mit Tempo und Timing überzeugt.
Klaus Friedrich
21.01.2010 - aktualisiert: 21.01.2010 10:54 Uhr