Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 21.01.2010
Surrogates - Mein zweites Ich
Für immer jung und schön
Die Avatare kommen: Nach James Cameron versucht sich nun auch Jonathan Mostow ("Terminator 3") am Thema, und zwar in klassischer Thriller-Manier. Um Krankheiten und Unfällen aus dem Weg zu gehen, verlassen die Menschen ihre Wohnungen nicht mehr, sondern steuern von Liegen aus künstliche Körper, die hier nicht Avatare, sondern Surrogates heißen. Diese haben den angenehmen Nebeneffekt, dass sich jeder so jung und schön präsentieren kann, wie er es gern hätte. Als ein Avatar-Killer auftaucht, muss ein Polizist zum ersten Mal seit Jahren wieder in seinem echten Körper auf die Straße, um beim zwielichtigen Avatar-Konzern und bei aggressiven Anti-Avatar-Aktivisten zu ermitteln. Deren Anführer, eine Art Messias, spielt dabei ebenso eine Rolle wie ein genialer Ingenieur im Unruhestand.
Diesen Plot hat man in unterschiedlicher Ausgestaltung schon oft gesehen - was in diesem Fall kaum stört, denn Mostow bietet gut inszenierte Action-Szenen und lässt bis zum Schluss offen, wer hinter der Verschwörung steckt und warum. Bei den Avataren hat er eine gute Balance gefunden: Die Kunstkörper wirken nahezu echt, aber eben nicht ganz, sie haben gerade so viel Künstlichkeit an sich, dass es irritierend wirkt. Besonders gut funktioniert das bei Bruce Willis (54), der schlank und mit Haaren 20 Jahre jünger aussieht und sich später mutig dem direkten Vergleich stellt. Überhaupt sind die wohldosiert eingesetzten Kontraste zwischen Wunsch-Look und tatsächlichem Aussehen der Beteiligten der eigentliche Clou des Films.
Trotzdem wird die Menschheit wiederentdecken, wie schön es ist, das Leben wahrhaftig am eigenen Leib zu spüren - so macht Zukunfts-Kino Spaß.
Bernd Haasis
21.01.2010 - aktualisiert: 21.01.2010 10:58 Uhr