Stuttgart - An guten Tagen ist Heavy Metal Geborgenheit. Ein Hort der Beständigkeit. Auch Machine Head, die kalifornischen Grobmetaller mit dem Sinn für die eingestreuten feinen Zwischentöne gaben am Samstagabend ihren 2500 Fans in der Schleyerhalle exakt das, was sie in die Schleyerhalle trieb: Metal.
"Machine Fucking Head" steht auf T-Shirts und einige Fans skandieren diesen Slogan auch lautstark. "Un-Fucking-Believable" schreit Sänger und Gitarrist Robb Flynn in die abgehängte Schleyerhalle und streckt dabei die rechte Faust in die Luft. Die Kraftworte stehen hoch im Kurs am Samstagabend in – von beiden Seiten des Bühnenrandes. Der 41- Jährige benutzt diese oft und gerne. Manchmal schlägt er sich dabei auch auf die Brust – da, wo das Herz ist. Der Mann will, dass jeder sieht, wie ernst es ihm ist mit dem Metal, der Kraft und der Wucht. Und davon gibt’s auf der bald drei Jahre alten aktuellen Platte "The Blackening" allerlei. Bereits zum vierten Mal schauen sie mit der im Gepäck in Stuttgart vorbei.
Das brachiale "The Blood, The Sweat, The Tears", das furiose "Imperium", das wütende "Old" oder das imposante "Beautiful Mourning" – Machine Head wären dumm, hätten sie irgendetwas anbrennen lassen in der Schleyerhalle. Gitarrist Phil Demmel und Robb Flynn sind bei bester Laune und spielen sich gegenseitig Knoten in die Finger. Zweistimmige Leadgitarren, Soli, Riffs – die beiden haben Spaß an ihren Instrumenten. Grenzt fast an Angeberei. Adam Duce am Bass und Schlagzeuger Dave McClain werden da manchmal gerade noch die Rolle der Schlichter zugestanden, die das Ganze zusammenhalten.
Das Quartett aus Oakland findet auch am Samstagabend im totschicken schwarzweiß gehaltenen Bühnendesign exakt die richtige Abstimmung zwischen positivem Aggressionsabbau, Musikantentum, Inszenierung und Projektionsfläche für chronisch Missverstandene. "The Aesthetics Of Hate" ist ein kleiner Wirbelsturm: Ob Hass, Respekt oder Poesie und Sozialkritik, die locker auf die Rückseite eines VVS-Tickets passen würden: Flynn schreit seine Zeilen, presst und bellt sie in die Halle oder schimpft wie ein Rohrspatz. Super Kraftmeierei, blitzsauberes Metal-Entertainment. Da fliegen Haare, werden Gitarrenhälse in die Luft gestreckt und derart breitbeinig standgerockt, dass man vom bloßen Zusehen Phantomschmerzen in den Leisten bekommt.
Das wunderschöne "Halo", eine einzige Hommage an Metal und Iron Maiden und der Klassiker "Davidian" machen einen Knopf an ein fast perfektes Metalkonzert. Flynn hält inne, überlässt seinen Fans den Refrain: "Let freedom ring with a shotgun blast". Beeindruckend. Und die Vermutung ist auch nach 100 umjubelten Minuten nicht mehr abzuschütteln: Machine Head sind vielleicht eine der derzeit besten modernen Metalbands – trotz aller gepflegten Traditionen, vielleicht auch gerade deswegen. Machine Fucking Head eben.