Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 28.01.2010
New York, I Love You
Nichts ist so, wie es scheint
Eine Frau, für eine Zigarette vors Restaurant getreten, spricht mit einem Unbekannten über die verlorene Intimität ihrer Ehe. Momente später beflirten sich beide heftig: Sie sind keine Fremden, sie sind ein Ehepaar. Ein junges Mädchen im Rollstuhl verführt ihren Ballbegleiter im Central Park zu akrobatischem Sex. Später fällt er aus allen Wolken: Die Dame ist nicht gelähmt. Ein altes Paar grantelt aufeinander ein, doch dann sitzen sie in symbiotischer Vertrautheit auf einer Bank am Brighton Beach.
Nichts ist so, wie es auf den ersten Blick scheint: Diesem Muster folgen die Episoden, die elf Regisseure, darunter Fatih Akin, Natalie Portman und Wen Jiang, zu einer fulminanten Liebeserklärung an den Big Apple und seine Menschen fügen. Bissig, ausgeflippt, zärtlich, romantisch wird von der Sehnsucht nach Liebe erzählt. Alles ist möglich", vor allem in New York, der fiebrigen Metropole, die nie schläft, dem Global Village, das so viele Ethnien beherbergt, dem Moloch der Straßenschluchten, Ort wahr gewordener Architektenträume. Hier spricht der europäischstämmige Einwandererspross Chinesisch, die Chinesin Englisch, und eine Hure setzt einen narzisstischen Verbalerotiker schachmatt. Von Soho bis in den Central Park führen die episodischen Kamerafahrten. Sie ersetzen nicht das eigene Unterwegssein in New York. Doch sie schenken das Wiedersehen mit Stars wie Irrfan Khan, Natalie Portman, Maggie Q, Christina Ricci, Ethan Hawke und dem großartigen Eli Wallach. In nur acht Wochen gedreht, ist dieser Film nach "Paris je t'aime" der zweite des Projekts "Cities of Love" der Produzenten Emmanuel Benbihy und Marina Grasic. Fortsetzungen in Rio de Janeiro, Schanghai, Jerusalem und Mumbai sind geplant.
Brigitte Jähnigen
28.01.2010 - aktualisiert: 28.01.2010 10:44 Uhr