Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 28.01.2010
Die Affäre
Die zerstörerische Kraft der Liebe
Eine wohlsituierte Frau beginnt eine Amour fou mit einem Arbeiter. Sie gesteht, und ihr Mann, ein Arzt, vergibt ihr. Doch beim Vollzug der Ehe spürt sie, dass es nie wieder sein wird wie zuvor. Sie ist permanent geistesabwesend und nimmt die Affäre wieder auf, worauf ihr Mann ihr den Geldhahn abdreht und sie diskreditiert. Einen bösen kleinen Film hat Catherine Corsini gedreht, in dem sie vorführt, wie die Liebe unter widrigen Umständen Existenzen vernichten kann. Kristin Scott Thomas ist großartig als gepflegte und verwöhnte Frau, die alles auf sich zu nehmen bereit ist, die an einer Tankstelle ihre Markenuhr für 120 Euro versetzt, um den Sprit zu bezahlen, die ohne zu murren in einer Gemüsefabrik arbeitet. Sergi Lopez als ihr Geliebter mit krimineller Vergangenheit gibt seiner Figur all die Freiheit, nach der sie sich sehnt, und Yvan Attal als Ehemann macht eiskalt von seinem Einfluss Gebrauch, um sie zurückzuzwingen.
Corsini lässt sich viel Zeit für wenig Handlung und zeigt ausführlich Leidenschaft zwischen den Laken; dafür erfährt man im Verhältnis zu wenig über die Charaktere. Kein ganz großer Wurf also, ein passables französisches Liebesdrama aber allemal.
Bernd Haasis
28.01.2010 - aktualisiert: 28.01.2010 11:49 Uhr