Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 28.01.2010
Wolkig mit Aussicht auf Fleischbällchen 3D
Es regnet Steaks und Spiegeleier
Sonderlinge haben's selten leicht. Das ist auch bei Flint Lockwood nicht anders, der auf einer kleinen Sardineninsel in seinem Labor an seltsamen Erfindungen arbeitet, die meistens vor allem Schaden anrichten. Dabei soll er doch den Angelladen seines Vaters übernehmen. Dann schlägt seine große Stunde: Er entwickelt eine Maschine, die überdimensionale Nahrungsmittel regnen lässt, und wird zum Helden - allerdings nur für kurze Zeit, denn um niemanden zu enttäuschen, überlastet er seinen Apparat und löst einen Essenssturm aus.
Sony hat sich mit seiner Trickschmiede Imageworks eine eigene Nische erkämpft auf dem von Pixar/Disney dominierten Animationsmarkt. Wie bei "Open Season" und "Könige der Wellen" haben auch die Figuren und die Anmutung in diesem quietschbunten Film eine sehr eigene Note, wenn eine ganze Welt unter riesigen Steaks, Eiscremekugeln und Spiegeleiern verschwindet. Vor allem aber ist es den Machern gelungen, ihre sehr amerikanische Heldengeschichte ironisch zu unterlaufen. Die junge TV-Journalistin, in die Flint sich verliebt, nimmt sich sehr wichtig, ist aber ein Ausbund an Ahnungslosigkeit, der zackige Dorfpolizist glaubt, dass sich alles mit Körperkraft und striktem Gehorsam regeln lässt, und der Bürgermeister würde für Arbeitsplätze seine Großmutter verkaufen. Fast wie im richtigen Leben.
Bernd Haasis
28.01.2010 - aktualisiert: 28.01.2010 12:01 Uhr