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Bilanz des Ministerpräsidenten

Oettinger bekennt sich zum Dialekt

Günther Oettinger
Foto: dpa

Stuttgart - Nach derzeitiger Planung wird Günther Oettinger (CDU) am 9. Februar zum neuen EU-Energiekommissar gewählt. Er freut sich auf die neue Aufgabe, will in Baden-Württemberg aber aktiv bleiben.

 
 


"Ich sehe mich mehr denn je als Dienstleister, als Frühwarnsystem, als Informationsbörse", umreißt der Noch-Ministerpräsident im Abschlussinterview mit unserer Zeitung seine künftige Aufgabe auf europäischer Ebene. Aber Oettinger, der knapp fünf Jahre die Regierung in Baden-Württemberg führte und die Amtsgeschäfte am 10. Februar an seinen designierten Nachfolger Stefan Mappus abgeben will, sieht schwere Zeiten auf Europa zukommen. "Schon jetzt zeichnet sich ab, dass das Thema Währungsstabilität ein Megathema werden wird. Der Euro ist in Gefahr, instabil zu werden", fürchtet der 56-Jährige. Diesem Prozess werde er nicht tatenlos zusehen. "Ein Kommissar aus Deutschland muss sich einschalten, wenn sich abzeichnet, dass mehr als fünf Länder der Euro-Zone instabil sind und auf absehbare Zeit die Währungskriterien nicht erreichen können."

Im Interview kündigt der scheidende Regierungschef zugleich an, dass er sich auch künftig für die CDU engagieren will: "Innerhalb der EU-Kommission haben wir geklärt, dass wir unsere Parteimitgliedschaften nicht zum Ruhen bringen müssen, sondern in jeder Form an der öffentlichen Meinungsbildung mitwirken dürfen. Auch in Wahlkämpfen. Er sei "in jeder Form in der Lage, parteipolitisch Flagge zu zeigen".

Insgesamt zieht Oettinger eine positive Bilanz seiner Amtszeit: "Ich war gerne Ministerpräsident, aber ich freue mich auf die neue Aufgabe." Oettinger kündigt zugleich an, seinen Wohnsitz in Stuttgart zu behalten. Das neue Video, in dem seine Englisch-Kenntnisse ins Lächerliche gezogen werden, will der künftige Kommissar nicht überbewerten. "Ich halte es nicht für verwerflich, dass der Dialekt zu hören ist, wenn ich Englisch spreche." Er habe "im Gymnasium neun Jahre Latein und fünf Jahre Englisch gehabt. "In den vergangenen 30 Jahren habe ich nicht jeden Tag Englisch gebraucht. Jetzt werde ich Sprachtraining nehmen."

Lesen Sie unser großes Interview mit Ministerpräsident Oettinger in den Stuttgarter Nachrichten vom 29. Januar.
 

Christoph Grote, Frank Krause und Jan Sellner

28.01.2010 - aktualisiert: 28.01.2010 18:00 Uhr

 


Lesermeinungen
06.02.2010 14:32
Autor: Rainer Daeschler

Der Ministerpräsident bekennt sich zum Dialekt, doch so richtig Freude will da auch bei Gleichgesinnten nicht aufkommen. Er ist ein schwacher Fürsprecher, will er damit doch offensichtlich Defizite in der Hochsprache rechtfertigen. Auch irrt er sich, das Dialekt irgend etwas mit seinem englischen Vortrag auf der Berliner Konferenz der renommierten Columbia University zu tun habe. Den hat er vorgetragen, wie ein Schüler, der die Aufgabe hatte, wir lesen zu nächsten Stunde die Seiten von ... bis und dafür den Vermerk erhält: "Hausaufgaben nicht gemacht".

Nun handelte es sich dabei nicht um eine Konferenz in der dritten Welt, wo ein beträchtlicher Teil der Teilnehmer sich ebenfalls durch die englische Sprache kämpft. Es war eine Veranstaltung des "Center of Capitalism and Society" einer der Elite-Universitäten der Vereinigten Staaten (ivy league). Da wird die Unfähigkeit, selbst wirtschaftlich Fachbegriffe richtig aussprechen zu können, zum Offenbarungseid. Das steht im vollem Gegensatz zu der Wirtschaftskompetenz, die Dieter Hundt, von Oettinger mit dem Professorentitel bedacht, nicht müde wird dem Ministerpräsidenten zu attestieren.

 

05.02.2010 14:22
Autor: Ralf

Der Dialekt des Herrn Oe war nicht so sehr das Problem bei seiner Rede. Das Problem war, dass er eine Rede, die anscheinend überhaupt nicht kannte, in einer fremden Sprache, die er offensichtlich bestenfalls rudimentär beherrscht, regelrecht "vorgelesen" hat. Was wäre für Baden-Württemberg, für Deutschland und nicht zuletzt für Herrn Oe selbst peinlicher? Zuzugeben, die englische Sprache nicht zu beherrschen und sich deshalb besser durch einen Simultandolmetscher unterstützen zu lassen oder so zu tun, als ob er englisch könnte und dabei derart unbeholfenes Gestammel von sich zu geben?

 

03.02.2010 16:53
Autor: Jürgen Moosmann

Schlechte Fremdsprachenkenntnisse haben mit einem Dialekt überhaupt nichts zu tun. Es gibt auch Schwaben die perfekt mehrere Fremdsprachen beherrschen, mir fällt spontan Jürgen Klinsmann ein. Wenn man Betonung und Melodik betrachtet spricht Herr Oettinger übrigends auch kein gutes Deutsch. Sondern allenfalls MG-schwäbisch.

 

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