Stuttgart - "Das ist so ein Typ, der so was macht", sagt Gangolf Stocker verblüfft. Tausende Gegner von Stuttgart 21 haben am Freitagabend ihren Protest gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 lautstark geäußert. Und mittendrin auf der Bühne am Nordausgang: Bahnchef Rüdiger Grube. Mitten im gellenden Pfeifkonzert sagt er: "Ich will weiter den Dialog suchen." Seine Überraschung ist gelungen.
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Umarmungstaktik bei Schneefall und Kälte. "Das ist sein Trick", sagt Stocker, Stadtrat und einer der Wortführer des Aktionsbündnisses gegen Stuttgart 21. Stocker und die Demonstranten glauben, dass sie getäuscht werden sollen. "Wir sind hier, wir sind laut, weil man uns den Bahnhof klaut", skandieren sie. Da eilt Grube schon im Eilschritt wieder zurück ins Forum der LBBW. Eine Absperrung macht den Vorplatz zur Bannmeile. Sie wird später nötig sein.
"So voll war der Platz noch nie", zeigt sich Gangolf Stocker zufrieden. 10.000 Teilnehmer am Nordausgang des Hauptbahnhofs schätzen die Veranstalter. Die Polizei kommt dagegen auf einen Höchstwert von 4000. Auf drei Sternmärschen sind 400 vom Marktplatz, Stöckach und Berliner Platz mit Trommel, Trompete und Trillerpfeife zum Hauptbahnhof marschiert, der ein Kopfbahnhof bleiben soll. "Grube", sagt Stocker, "hat den richtigen Eindruck bekommen vom Widerstand in Stuttgart."
Die Gegner haben Lautstärke zum Thema gemacht, "weil auch der Bau laut wird". 3500 Betonpfähle müssten gesetzt werden, sagt einer. Jeder Pfahl 125 Schläge. Eine halbe Million Rammstöße, ein unzumutbarer Krach. "Diesen Lärm geben wir weiter an die Verantwortlichen." Die Veranstaltung ist lautstark, sie verläuft ohne größere Zwischenfälle. "Keine großen Besonderheiten", sagt Polizeisprecher Stefan Keilbach. 150 Beamte sind im Einsatz. Die Demonstration, um 19 Uhr begonnen, endet gegen 20 Uhr mit dem Versprechen: "Unser Widerstand wird nicht zusammenbrechen."
Danach aber droht die Lage kurz zu eskalieren. Einer der Veranstalter ruft dazu auf, näher an die Absperrung zu rücken, "damit die uns drinnen besser hören können!" Die Menschenmenge drängt zur Absperrung, einzelne Demonstranten dringen auf den Platz ein, werden von Polizisten dingfest gemacht. "Das war kropfunnötig", schüttelt Alfons Nastold vom Ordnungsamt über das Nachspiel den Kopf. Personalien werden notiert. Um 20.45 Uhr gehen die Letzten und schreien: "Wir kommen wieder!"
Die Gegner des Bahnprojekts wollen ihren Protest fortsetzen. Am 1. Februar demonstrieren sie um 18 Uhr wieder vor dem Nordausgang des Hauptbahnhofs. Redner sind Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der Grünen, und der Liedermacher Thomas Felder. Zum symbolischen Baustart am Dienstag, 2. Februar, ist eine Demonstration um 12.30 Uhr angemeldet.
Wolf-Dieter Obst
29.01.2010 - aktualisiert: 29.01.2010 22:32 Uhr
Lesermeinungen
01.02.2010 08:11
Autor: Bernd Rathgeb
...aus einer parlamentarischen Demokratie wird im Laufe der Zeit eine parlamentarische Diktatur-muss das sein? Bei der Demo am Freitag habe ich kurz mit Herrn Drexler geredet. Leider vermittelte er nicht den Eindruck, wirklich zuhören zu wollen. Auf die Frage, warum der Denkmalschutz für so ein imposantes und weltweit geachtetes Baudenkmal entzogen wird, führte er an, dass mit verschiedenen Gutachtern dies abgeklärt wurde und die mehrheitliche Meinung bestand, dass das Gebäude im Krieg so stark zuerstört wurde, dass sie Bausubstanz der Seitenflügel nicht als schützenswert einzusstufen sei. Ich fordere die Offenlegung dieser Gutachten, ich fordere die Offenlegung des gesamten Schriftwechsels- möchte wetten, dass hier formalrechtlich nicht alles mit rechten Dingen zuging und die Aberkennung der Denkmalwürde rechtwidrig ist. (Die Zeitungen Stuttgarts sollten hier mal journalistisch effektiv arbeiten!)Wir haben es in Baden-Württemberg diesbezüglich nicht gerade mit einer rechtschaffenen Regierung zu tun- Oettinger geht- Mappus kommt- d.h. es wird wohl noch schlimmer werden. Mit Halbwahrheiten und Unwahrheiten werden wir auch weiterhin rechnen müssen.
Wünschenswert wäre es, wenn sich alle diejenigen, die sich von den etablierten Volksparteien veraten und verkauft fühlen eine neue Partei der Mitte, eine Baden-Württemberg-Partei gründen könnten. Der Zulauf wäre gigantisch!
Die Argumente von Bahnchef Grube und den Politikern Oettinger, Drexler und Schuster für S 21 sind "Lettengschwätz!" . Die innhaltliche Prüfung der Aussagen ergab: KEINE Substanz!, KEINE nachweißbare Vorteile für die Bevölkerung.....
.. es hat sich bewahrheitet: Jedes Volk verdient die Regierung, die es wählt!
.. na dann, Gute Nacht Stuttgart und Baden-Württemberg!
Liebe Stuttgarter und Baden-Württemberger - WACHT AUF !!
31.01.2010 19:51
Autor: Informierter
@ Interessierter
An ihren Taten sollt Ihr sie messen.
Noch Fragen?
31.01.2010 12:47
Autor: Christine Busch
zu: "Jakutzi":
nicht alle Gegner haben Zeit oder Lust, zu demonstrieren, alle Umfragen sprechen gegen S 21, in den gewählten Gremien, war jeweils von 2,8 Millarden Kosten die Rede und nur auf Druck kamen ganz ganz andere Zahlen ans Licht- Informationen scheibchenweise- und wo die Einsparungen von 4,9 auf 4,1 herkommen, belegt auch niemand.
Die Bevölkerung setzt nun mal hier andere Prioritäten. Wir lassen uns nicht für dumm verkaufen! Und ob die SPD- Mitglieder z.B. im Gemeinderat (an der Basis ist es eh sehr sehr fraglich...) und auch Mitglieder der anderen Parteien nach den neuesten Kostenrechnungen das Projekt weiter gutheißen, bezweifle ich sehr.
Das Projekt muss gestoppt werden, bevor unser Steuergeld und das Geld der Zukunft, das von den Banken zu hohen Zinsen geliehen werden muss- denn weder Stadt noch Land noch Bahn haben noch Geld, sondern Schulden- für den viel zu teuren Tiefbahnhof ausgegeben wird. Der übrigens von Europa nicht unterstützt wird- sinnvollerweise.
Wir brauchen verantwortungsvolle Politiker, die nicht Angst vor einer Umkehr haben, sondern mal am sinnvollen Platz sparen!