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Forum Stuttgart 21

Der Bahn-Chef überzeugt nicht jeden

Alte Daimler-Bekannte: Entwicklungsvorstand Weber (links) und Grube
Foto: Kraufmann

Stuttgart - Am Dienstag kommt Bahn-Chef Rüdiger Grube zum offiziellen Baubeginn für Stuttgart 21 in die Stadt. Das symbolische Anheben eines Prellbocks im Hauptbahnhof ist für ihn sichtbares Zeichen, dass das Projekt unumkehrbar ist. „Ein Zurück wird es nicht geben“, sagte Grube am Freitagabend beim Forum Stuttgart 21 unserer Zeitung im Forum der Landesbank Baden-Württemberg.

Die Reaktionen darauf fielen sehr unterschiedlich aus. Im Saal überwog die Erleichterung. "Nach diesem Abend können wir beruhigt in die Zukunft blicken", sagte etwa der frühere Mercedes-Chef Jürgen Hubbert. Neben ihm war auch Daimler-Entwicklungsvorstand Thomas Weber gekommen, um den Worten des früheren Daimler-Kollegen Grube zu lauschen. Auch zahlreiche Stadträte, Bundestags- und Landtagsabgeordnete hörten sich die Ausführungen des Bahn-Chefs an, darunter der Fraktionschef der Landtags-SPD, Claus Schmiedel. Peter Dübbers, der Erbe des Bahnhofsarchitekten Paul Bonatz, der am Freitag Klage gegen die Bahn wegen des geplanten Abrisses der Seitenflügel eingereicht hat, saß ebenfalls im Publikum.

Die meisten Besucher lobten Grube für seine Detailkenntnis, einige Gegner des Projekts seinen Umgangston, der sich im Vergleich zu seinem Vorgänger Hartmut Mehdorn erheblich gebessert habe. In der Sache konnten Grubes Ausführungen viele Kritiker aber nicht überzeugen. Die Demonstranten vor dem Forum quittierten die kurze Ansprache des Bahn-Chefs mit Buhrufen, aber auch im Saal hielten sich die Projektgegner nicht mit Kritik zurück.

Peter Conradi schüttelte angesichts Grubes Bekräftigung, das Projekt sei unumkehrbar, den Kopf. "Sieht er die Risiken nicht, oder will er sie nicht sehen?", so der Architekt. Die Risiken des Tunnelbaus in den geologisch problematischen Stuttgarter Hängen und durch die Höhlen der Alb seien offensichtlich. Zudem müsse man das Kostenrisiko bei Stuttgart 21 sehen: "Kippt das Projekt, wenn die Kosten auf fünf, sechs oder sieben Milliarden Euro steigen?"

Gänzlich gefehlt hat Conradi eine klare Aussage zu den Risiken der Neubaustrecke von Wendlingen nach Ulm, die das gesamte Projekt gefährden könnten. "Wer garantiert deren Machbarkeit und Genehmigungsfähigkeit? Zwei Milliarden Euro werde die Strecke kosten, behauptet die Bahn, vier bis sechs Milliarden Euro veranschlagen andere Fachleute", so der SPD-Altlinke. Grube wische diese Fragen vom Tisch.

Die Projektgegner wollen ihre Meinung weiterhin laut kundtun. Am heutigen Montag versammeln sie sich erneut um 18 Uhr zur Demonstration vor dem Nordausgang des Hauptbahnhofs. Es spricht Cem Özdemir, Bundesvorsitzender der Grünen. Auch am Dienstag wollen sie während des Baustarts auf die Straße gehen. Ob Boris Palmer dann unter den 400 geladenen Gästen weilen wird, ist noch offen: Tübingens OB und Projektkritiker steht nicht auf der Gästeliste, weil seine Stadt nicht zur Region Stuttgart zählt. Palmer (Grüne) soll inzwischen Ministerpräsident Günther Oettinger um Unterstützung gebeten haben, um doch noch Augenzeuge sein zu können.
 

Jürgen Bock

01.02.2010 - aktualisiert: 01.02.2010 11:23 Uhr

 



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