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2000 Demonstranten

Die Grünen müssen draußen bleiben

Foto: dpa

Stuttgart - Mit einem Pfeifkonzert begleiteten Tausende Demonstranten den symbolischen Baustart von Stuttgart 21. Drei Züge und 1350 Polizeibeamte hielten die Tiefbahnhofgegner auf Distanz zu Prellbock 049. Zum Eklat kam es, als Landtagsabgeordnete der Grünen vom Feierort verbannt wurden.

 
 


"Jetzt geht's los" - wo sonst nur Zugnummern und Zielbahnhöfe stehen, verkündet am Dienstagmittag das elektronische Zuginformationssystem den den Baustart von Stuttgart 21. Den lockeren Spruch nehmen sich die Gegner des Milliardenprojekts zu Herzen.

Mit Trillerpfeifen und Trompeten begrüßen nach Polizeiangaben etwa 2000 Demonstranten am Nordausgang des Hauptbahnhofs lautstark alle geladenen Gäste, die sich dort durch die Absperrgitter zwängen müssen. "Während drinnen gefeiert wird, bringen wir draußen das Luftschloss vom Tiefbahnhof zum Platzen", kann Gangolf Stocker vom Aktionsbündnis gegen Stuttgart 21 nur sagen. Mehr lässt der Lärmpegel nicht zu.

Für die Befürworter des Bahnprojekts wird der Gang durch die Protestierer zum Spießrutenlauf. "Wir wollen oben bleiben", skandiert die Menge, während SPD-Fraktionschef Claus Schmiedel, der im Landtag Teil einer großen Befürworterkoalition ist, an der Spitze mehrere Parteigenossen eilig zum Durchlass hastet. Gelassener nimmt Lothar Späth den Unmut der Tiefbahnhofsgegner. Mitten im Tumult steht er Journalisten Rede und Antwort.

Wir werden weiter Widerstand leisten"

"Da habe ich schon dramatischere Demonstrationen erlebt, etwa im badischen Wyhl", erinnert sich der CDU-Altministerpräsident an die Proteste, die in den Siebziger Jahren ein geplantes Atomkraftwerk am Kaiserstuhl verhinderten.

Zum Eklat kommt es an der Einlasskontrolle, als mehrere Landtagsabgeordnete der Grünen zur Feierstunde wollen. Sie werden zunächst durchgelassen, kurz darauf aber wegen angeblicher Überfüllung der Kleinen Schalterhalle von Bahnmitarbeitern wieder hinauskomplimentiert. "Das ist ein Skandal, dass Mitglieder eines Verfassungsorgans so behandelt werden", empört sich Grünen-Fraktionschef Winfried Kretschmann.

Die Bahn könne schon deshalb nicht auf ihr Hausrecht pochen, weil sie Stuttgart 21 nicht allein bezahle, sondern mit rund 900 Millionen Euro von Land, Region und Stadt Stuttgart mitfinanzieren lasse. Ein weiterer Grüner wird dagegen als persönlicher Gast von Bahnchef Rüdiger Grube anstandslos durchgelassen: Applaus brandet auf, als sich Tübingens OB Boris Palmer den Demonstranten zeigt.

"Wir werden weiter Widerstand leisten", verspricht Gangolf Stocker, als er nach rund einer Stunde die Versammlung beendet. Hunderte Gegner des Bahnprojekts wollen nicht bis zur nächsten Montagsdemonstration warten, sondern setzen die Ankündigung sofort um. In der großen Bahnhofshalle und auf Bahnsteigen führen sie das Pfeifkonzert fort.

Auch vom symbolischen Anheben des Prellbocks 049 bleiben sie ausgesperrt. Der Hausherr Bahn hält die Demonstranten mit drei Regionalzügen als Sichtschutz auf Distanz. Zusätzlich sichern Polizisten die Zeremonie zwischen Gleis 4 und 5. "Ruhig, aber lautstark", bilanziert Polizeisprecher Stefan Keilbach am Abend den Protest der Stuttgart-21-Gegner.

Friedlich aber lautstark sind am Dienstag die Proteste anlässlich der Feierlichkeiten zur Grundsteinlegung des Bauprojektes Stuttgart 21 am Hauptbahnhof verlaufen.

Insgesamt rund 2000 Gegner des Projekts hatten sich in der Zeit zwischen 12 Uhr und 14.30 Uhr am Nordausgang sowie im Hauptbahnhof versammelt. Sie führten zahlreiche Transparente mit sich und artikulierten lautstark ihren Protest. Vereinzelt wurden aus der Menge heraus Eier und Schneebälle geworfen, die jedoch niemanden trafen. Zwei Männer kletterten in der Bahnhofshalle auf ein Baugerüst, wo sie ein Protestplakat aufhängten.

Mehr als 300 Einsatzkräfte der Polizei waren im Einsatz, um gemeinsam mit Kräften der Bahnpolizei und Sicherheitspersonal einen geordneten Verlauf der Feierlichkeiten zu gewährleisten.

Im Anschluss an die Kundgebung blockierten gegen 14.45 Uhr zirka 20 Demonstranten kurzzeitig eine Fahrbahn der Schillerstraße. Als sie von Einsatzkräften angesprochen wurden, räumten sie sofort die Straße, so dass es bei geringen Verkehrsbehinderungen blieb.
 

Jürgen Lessat

02.02.2010 - aktualisiert: 02.02.2010 18:34 Uhr

 

Lesermeinungen

07.02.2010 22:15
Autor: Bürger E.

Über 50 Jahre alt, früher eigentlich politisch uninteressiert, denke ich heute, dass wir dringend eine unmittelbare Demokratie brauchen in Deutschland. In viel zu vielen Bereichen wird von den Gewählten gegen das Volk regiert, nicht nur bei Stuttart 21.
Was wir brauchen, sind Volksabstimmungen zu allen bedeutenden Themen. So wie es in Deutschland in den letzten Jahrezenten gelaufen ist, das wird der Tod unserer Gesellschaft werden. Es ist 5 vor 12.


 

07.02.2010 10:34
Autor: matthias monninger

Matthias Monninger Dipl. Ing. Agr. (FH)

parteilos, Nachfahre Schweizer Bergbauern, die in Zeiten vor dem Steuergeheimnis aus wirtschaftlichen Gründen nach Baden Württemberg auswanderten und es dort durch Fleiß und Ausdauer zu bescheidenem Wohlstand gebracht haben.

Offener Brief an Frau Bundeskanzlerin Merkel zu Stuttgart 21

Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin Merkel,

hiermit eröffne ich den Landtagswahlkampf für Baden Württemberg nächstes Jahr.
Mein konservativ-ökologischer Bauch, mein sozial-liberales Herz und mein Verstand, der manchmal schneller, manchmal langsamer als die anderen beiden ist, wenden sich an sie, weil sie vermutlich verstehen, dass so etwas in Zeiten von Twitter und Facebook möglich ist.
Ich weiß schon, dass ich mich eigentlich an die Stammesfürsten unseres Bergvolkes wenden müsste. Ich weiß aber auch nicht, was da los ist. Irgendwie hören die nicht mehr so richtig zu. Und ich glaube sogar, die würden das gar nicht verstehen. Sie und ich, Frau Merkel wissen ja auch, dass in der Politik hin und wieder ein Euphemismus nötig ist. Gib diesen Plebejern Brot und Spiele und die werden schon still halten. Und ich weiß natürlich, dass so etwas, wie das Wachstumsförderungsgesetz, 30 Jahre nach dem Bericht des Club of Rom, nicht von Ihnen stammt, sondern den Verhältnissen (FDP) geschuldet ist. Wir wissen doch beide, dass man fünfe manchmal gerade sein lassen muss.
Was man jedoch nicht tun sollte, und hier meldet sich mein konservativer Bauch: Man sollte seine Wähler nicht ständig und immer wieder anlügen und für dumm verkaufen. Also mir macht das schlechte Laune Frau Merkel. Ehrlich. Man zieht keinen gesunden Zahn, nur weil man einen Künstlichen möchte. Man vergräbt keinen Bahnhof, der Bestnoten erhält und in seinem jetzigen verwahrlosten Zustand besser ist als der neue Tunnelbahnhof. Ich möchte Sie aber nicht mit Details belästigen und komme zum Eigentlichen. Mir geht es natürlich um die CDU in unserem Bundesland und Ihren Einfluss, Frau Merkel. Mit OB Schuster müssen Sie nicht reden. Das Stadtparlament ist schon in grüner Hand und er braucht sich auch zur OB Wahl in zwei Jahren nicht mehr aufstellen lassen (ja, so ist die Stimmung hier). Nächstes Jahr sind Landtagswahlen und der neue Ministerpräsident, Herr Mappus, möchte gewählt werden. Frau Merkel, sie sollten ihm mitteilen, dass man von den Bürgern gewählt wird. 70 % der Stuttgarter und 60 % der Baden Württemberger lehnen Stuttgart 21 ab (Emnid). Herrn Grube könnten sie daran erinnern, dass er nun Bahnchef ist und ihm somit Bahnbetrieb und Bahnkunden nicht gleichgültig sein sollten. Auf diesem Projekt liegt kein Segen. Das ist weder ein konservatives Projekt noch ein Wirtschaftliches und kein Soziales und kein Ökologisches und nicht einmal ein bahnbetrieblich Sinnvolles. Hier wird gleich gegen mehrere (ungeschriebene) (Lebens) Gesetzte verstoßen. Handle stets so, dass die Anzahl der Wahlmöglichkeiten größer wird (Heinz von Förster).
Hier wird gegen eine Maxime Kants verstoßen, der seine Ethik, sofern sie sich auf eine öffentliche und nicht persönliche Moral bezieht, der Obhut des gebildeten Publikums anvertraute. Öffentlich kann nur bestehen, was ein öffentliches Gespräch übersteht. Diese scheinbar triviale Feststellung enthält das Versprechen, dass ein (moralischer) Fortschritt möglich ist, wenn die verfügende (Verfügungswissen, Mittelstraß) Macht öffentlich ihre Orientierung (und so zum Orientierungswissen macht) sucht - auch wenn ihr dabei der Wind ins Gesicht weht.
Dieses Projekt ist vom letzten Jahrtausend, geplant von gestrigen Politikern. Jetzt wollen sie die Seitenflügel abreißen und den Park zerstören, obwohl noch nicht alle Bauabschnitte planfestgestellt sind und obwohl die NBS Wendlingen – Ulm noch nicht in trockenen Tüchern ist. Frau Merkel, das ist Gewalt. Das ist eine Kriegserklärung an uns Stuttgarter und an die Bahnfahrer.
Nun werde ich twittern und simsen und mailen und sogar telefonieren und mit meinem konservativen Umfeld reden und denen nahelegen, sie sollen eine Partei wählen, die sich um das Gemeinwohl kümmert.




 

04.02.2010 13:33
Autor: Oliver Schwarz

In Stuttgart baut man die besten Tunnel, steht hier:http://stuttgarter-nachrichten.de/stn/page/2374626_0_9223_-autobahnausfahrt-gesperrt-tunnel-zur-messe-von-beginn-an-ein-sanierungsfall.html
Wenn sie nicht mal sowas gebacken bekommen, dann werden wir in den nächsten Jahren in Stuttgart viel Spaß haben.


 

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