Stuttgart - Die Sperrung der neuen Autobahnausfahrt Flughafen/Messe für den Verkehr aus München offenbart Pfusch am Bau: Der Tunnel ist seit seiner Eröffnung 2007 ein Sanierungsfall. Durch Risse im Beton dringt Wasser in das Bauwerk.
Frostige Stimmung zwischen Regierungspräsidium und der Messegesellschaft. Dass die Landesbehörde am Dienstag die Ausfahrt in den Tunnel wegen Glatteisgefahr sperren ließ, wurde von der Messe als Eigentümerin des Bauwerks als "fachlich unangemessen" und "für den Betrieb der Autobahn und des Verkehrsnetzes auf den Fildern als nicht tragbar" kritisiert.
Erst am Mittwochnachmittag, bei einer gemeinsamen Ortsbesichtigung, setzte bei den Beteiligten wieder Tauwetter ein. Die Sperrung wurde aufgehoben - spätestens am Donnerstagvormittag sollte der Verkehr aus München an dieser Stelle die A8 wieder verlassen können.
"Die Maßnahme war eindeutig gerechtfertigt", sagt Clemens Homoth-Kuhs, Sprecher des Regierungspräsidiums. Wegen des eindringenden Wassers hätte es Glatteis auf der Fahrbahn oder den Fluchtwegen geben können. Rolf Witzemann von der Projektgesellschaft Neue Messe hält dagegen, dass es nie eine Eisbildung gegeben habe. Die Gefahr habe überdies wegen Streu- und Räumdienstes der Autobahnmeisterei Kirchheim nie bestanden.
Bauwerk muss fünf Jahre mängelfrei seinDoch eigentlich geht es gar nicht ums Eis. Sondern ums Wasser, das aus dem Beton dringt. Das etwa neun Millionen Euro teure Tunnelbauwerk sollte wasserdicht sein. Dafür wurde die 370 Meter lange Röhre extra in einem aufwendigen Verfahren gebaut, das sich "weiße Wanne" nennt. Dabei wird im Block, ohne Fugen und zusätzliche Abdichtungsschichten, gearbeitet. Entsprechend müssen Betonmix und Bewehrung genau abgestimmt sein. Das soll Zeit und Kosten sparen.
Doch schon seit der Eröffnung des Tunnels im September 2007 ist klar: Das Bauwerk ist mangelhaft. Mit jeder frostigen Winterperiode muss das Bauwerk saniert werden, um neu entstandene Risse zu kitten. Eine langfristige Aufgabe, die für die Messe als Eigentümerin ein Klotz am Bein ist. Bereits zum dritten Mal musste im Tunnel nachgearbeitet werden. Zufälligerweise war bereits wieder eine Firma für Bauwerksabdichtung am Werk, als neue Tiefkühltemperaturen das Regierungspräsidium veranlassten, die Abfahrt sperren zu lassen.
Dabei hat es bisher kaum ein Tunnelbauwerk gegeben, bei dem die Verantwortlichen nicht mit Rissen im Beton zu kämpfen gehabt hätten. Beispiele sind der Engelbergtunnel der Autobahn 81. Oder aber der S-Bahn-Tunnel unterm Flughafen. Als im Spätsommer letzten Jahres Lärmschutzmatten unter die Gleise verlegt wurden, stießen die Arbeiter überraschend auf Wasser im Tunnel. Die Bahn AG bestätigte, dass an manchen Stellen "das Wasser reindrückt". Die Ursache war zunächst unklar.
Hans-Ulrich Rollmann, Geschäftsführer der Projektgesellschaft Neue Messe, die als Bauherr noch immer für den Messetunnel an der A8 zuständig ist, hält den Wassereintritt für "nicht ungewöhnlich". Dennoch sei es ein Mangel, dass der Tunnel nicht trocken ist. Dabei war von Anfang an klar, dass das Bauwerk im Grundwasser stehen wird. "Mit dem steigenden Grundwasser gingen auch die Feuchtstellen nach oben", sagt Rollmann. Die Nachbesserungen gingen nicht zulasten der Messe. Experten stritten freilich noch, wer mehr Schuld an dem Mangel habe - der Planer oder die ausführende Baufirma. "Das wird uns wohl noch die nächsten zwei bis drei Jahre beschäftigen", so Rollmann.
Dabei hätte der Tunnel längst ins Eigentum des Bundes wechseln sollen, der für Autobahnbauwerke eigentlich zuständig ist. Doch die Übergabe ist blockiert, "weil der Grundsatz gilt, dass das Bauwerk fünf Jahre mangelfrei sein muss", sagt Clemens Homoth-Kuhs vom Regierungspräsidium. "Das muss in einem ordentlichen Zustand übergeben werden", so der Sprecher.
Die Sperrung des Tunnels sei nicht die erste gewesen. Immer wieder habe es Probleme gegeben. "Dass wir beim nächsten Frost den Tunnel dichtmachen", sagt Homoth-Kuhs, "haben wir schon im Sommer 2009 angedroht."