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Debatte um Rundfunkgebühr

ARD und ZDF unter Spardruck

Foto: dpa

Stuttgart - Die jetzige Rundfunkgebühr von 17,98 Euro gilt noch bis Ende 2012, aber die Politik prüft derzeit die Reform der Abgabe. Baden-Württembergs Medienminister Wolfgang Reinhart (CDU) drängt die Sender parallel zur Sparsamkeit.

 
 


Herr Reinhart, das Thema Rundfunkgebühr erhält neue Aktualität, nachdem die Gebührenkommission bei ARD und ZDF mangelnden Sparwillen beklagt. Wie sehen Sie das?

Wir nehmen gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten den Prüfbericht der Gebührenkommission KEF sehr ernst, immerhin geht es darum, dass die Sender sorgsam und damit im Sinn des Bürgers mit ihren Ausgaben haushalten. Allerdings muss auch darauf geachtet werden, dass die Sender eine angemessene Finanzausstattung haben, um ihren Grundversorgungsauftrag und den hohen Qualitätsanspruch erfüllen zu können. Das macht die Sender aber nicht davon frei, alle Synergieeffekte bei sich auszuloten.

Offenbar hapert es daran. Die KEF beklagt zum Beispiel, dass die ARD nicht wie gefordert 300 Stellen abbaut, sondern zusätzlich 210 Millionen Euro für Personalkosten will.

Ich bin sicher, dass sich die Aufsichtsgremien der Sender intensiv mit diesen Fragen befassen werden. Und auch in den zuständigen Gremien des Landtags werden wir den KEF-Bericht erörtern. Dabei wird zu prüfen sein, ob die Sparvorgaben erfüllt wurden oder nicht. Ich sehe bei den Sendern jedenfalls erhöhten Begründungsbedarf.

Seit Jahren will die Politik den Expansionsdrang der Öffentlich-Rechtlichen einschränken, aber die Realität weist 165 Hörfunkprogramme und 23 TV-Kanäle aus. Das ZDF hat erst jüngst seinen Jugendkanal Neo gestartet.

Aus meiner Sicht sollte man die Gebührendiskussion nicht auf einen einzelnen Sender beschränken, sondern in der Gesamtheit führen. Denn in der Debatte um die Zukunft der Rundfunkgebühr müssen wir mehr denn je das Mediennutzungsverhalten der Menschen im Blick haben. Die Zeit, in der man die Gebühr allein auf den Fernseher oder das Radiogerät fokussieren konnte, ist doch vorbei. Das wissen auch die öffentlich-rechtlichen Sender und suchen nach Strategien, diesem Problem zu begegnen.

Und deshalb überlegt die ARD jetzt, Programminhalte als sogenannte Apps auf mobile Plattformen wie das iPhone zu senden. Ist das im Sinne der Gebührenfinanzierung?

Die Politik hat sich bei dieser Frage klar artikuliert und vor einem verzerrten Wettbewerb zulasten der Verlage und Privatsender gewarnt. Nach meiner Auffassung sollten sich die Rundfunkanstalten auf ihren Kernbereich konzentrieren.

Der Rundfunkrat des NDR hat sich diese Woche aber klar für die Einführung eines Tagesschau-Apps ausgesprochen.

Der öffentlich-rechtliche Rundfunk sollte sich nicht auf diesem Markt der Privaten tummeln. Wenn das dennoch geschieht, könnte es neue Diskussionen zulasten der Öffentlich-Rechtlichen geben.

Wie steht es denn um die Neuordnung der Rundfunkgebühr? Seit Monaten arbeiten die Landesregierungen an dem Thema, aber offenbar geht es nicht voran.

Wir sind mittendrin im Prozess, und die Ministerpräsidenten werden sich im Juni dieses Jahres mit dem Thema befassen. Unser Ziel bleibt eine zeitgemäße Finanzierung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks. Die bisherige geräteabhängige Gebühr von derzeit 17,98 Euro im Monat ist aber überholt. Die Differenzierung zwischen Fernsehen, Radio und Computer ist in einer multimedialen Welt einfach nicht mehr angebracht und für den Bürger nicht nachvollziehbar. Die Frage wird sein, wie man den Umstieg auf eine geräteunabhängige Abgabe schafft.

Für welche Variante wird sich Baden-Württemberg einsetzen: Für die geräteunabhängige Gebühr oder für eine Gebühr, die pro Haushalt erhoben wird?

Es gibt noch keine abschließende Bewertung der Landesregierung. Was wir auf jeden Fall ablehnen werden, ist eine Steuerlösung. Und auch bei einer Pro-Kopf-Abgabe sind wir skeptisch, weil damit Familien einseitig belastet würden. Denn eines ist klar: Mit dem neuen Gebührenmodell darf die durchschnittliche finanzielle Belastung der Bürger nicht höher werden als bisher.

Sie neigen also zur Haushaltsabgabe.

Ich neige in jedem Fall zu einer zeitgemäßen Neuordnung. Eine Haushaltsabgabe könnte eine solche sein. Wobei klar sein muss, dass neben Privatpersonen auch die Wirtschaft zur Rundfunkfinanzierung beitragen soll.

Und mit der Neuregelung der Gebühr wird dann auch der Weg frei, die umstrittene GEZ abzuschaffen.

Mit einer Haushaltsabgabe etwa könnte der Kontrollaufwand deutlich reduziert werden. Denn in diesem Fall spielt das Gerät, egal ob Fernseher, Radio oder PC, keine Rolle mehr. Was dann mit der GEZ passiert, müssen wir abwarten.
 

Frank Krause

03.02.2010 - aktualisiert: 03.02.2010 19:51 Uhr

 

Lesermeinungen

07.02.2010 17:47
Statt wie hier teilweise gefordert immer weiter einen Ausbau des öffentlichrechtlichen Medienmolochs zu fordern, ist eine Umkehr des Denkens angebracht. Angesichts der demographischen Entwicklung und der deutlich zurückgehenden Anzahl an Gebührenzahlern ist eine Neudiskussion dessen dringen nötig, was Grundversorgung sein kann und muß. In Zeiten allseits leerer Kassen ist schlichtweg echtes SPAREN angesagt. Qualität statt Quantität - und nicht so, wie es die Öffentlichrechtlichen zunehmende den Privaten Sendern nachmachen.


 

05.02.2010 21:44
Autor: Dieter Machmüller

Ich hoffe die öffentlich rechtlichen Anbieter bauen zügig ihr Angebot rasch aus! Auch im Internet! Auch mit neuen Formaten! Und wenn dafür der ein oder andere private Dumpfbackensender dafür seinen Betrieb einstellen muss...

Passt scho...

Gibt es hoffentlich weniger DSDS oder ähnlich niederwertige Formate für die Halbintelellen der Generation Walkmann...


 

05.02.2010 09:10
Meiner Meinung nach, haben die öffentlichen rechrtlichen Rundfunkanstalten, unter dem Deckmantel des unabhängigen Journalismus, die staaliche Lizenz zum Geldverschwenden.
1. Warum benötit diese System 65 Rundfunk und Hörfunkanstalten? Dadurch wird Journalismus nicht besser sondern schlechter
2. Warum wurde im Jahre 2008 die Geburtstagsfeier des Ministerpräsidenten Kurt Beck zur Hälfte vom ZDF bezahlt (gelsen im "Spiegel", der ja abgeblich nicht so unabhängig sein kann wie die öffentliche rechtlichen)
3. Warum wird dort eigentlich immer noch das gleiche Programm gemacht, welches ich mit meiner Oma schon voe 30 Jahren angeschaut habe. Die Jungen (zu denen ich mich auch zähle mit 39 Jahren) wollen diesen Schrott nicht sehen. Was die privaten zeigen, ist, trotz aller verunglimpfung der öffentlich rechtlichen, gutes Programm für die unter 50 jährigen. Da aber das durchschnittsalter der öffentl. rtechtlichen bei 61 Jahren liegt, kann man natürlich keine Blockbuster zeigen. Fazit: Rentnerfernsehen.
4. Das Gebührensystem gehört abgeschafft. Dadurch sind die öffetnl. rechtlichen im Zugzwang und müssen sich konsolidieren, nur so hört die maßlose Geldverschwendung auf.
Abschliesend möchte ich noch darauf hinweisen, dass dem öffentl. rechtlichen System die Klientel wegstirbt. Ich hasse dieses System abgrundtief und habe aus diesem Grund keinen Fernseher. Wer soll in 20 Jahren dieses Programm schauen? Bestimmt nicht die Generatiuon unter 50 von heute.


 

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