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London Symphony

Es grünt so grün oder: Nachts im Museum

Foto: AP

Stuttgart - In der Stuttgarter Reihe "Meisterkonzerte" gastierte das London Symphony Orchestra unter der Leitung von John Eliot Gardiner mit einem Beethoven-Programm in der Liederhalle. Die Solisitin des Abends war Maria Joao Pires am Flügel.
John Eliot Gardiner (66), einer der Altvorderen des Musizierens auf historischen Instrumenten und mit historisch angemessener Stilistik, dirigiert Beethovens sechste Sinfonie am Mittwochabend im nahezu voll besetzten Beethovensaal. Vor ihm sitzen erstklassige Musiker aus jenem großen Pool englischer Hauptstadt-Instrumentalisten, die sich in diesem Falle London Symphony Orchestra nennen. Dass diese immer wieder auch in den Alte-Musik-Ensembles ihrer Heimat ihr Brot verdienen, hört man gut.

So selbstverständlich und wohlgeformt lassen die Londoner das Streichervibrato außen vor, dass Sir Roger an diesem Besuch in seinem zweiten Wohnzimmer wohl seine reine Freude gehabt hätte.

Am Pult sorgt Gardiner nicht nur für rhythmische Schärfung, für federleichte Phrasierungen, für eine dynamisch kontrastreiche Ausführung und für große Durchsichtigkeit im bukolisch informierten Orchestertreiben, sondern bringt wirkungsvoll auch seine reiche Erfahrung ein: Tatsächlich gelingt es ihm etwa, beim heiklen Gegeneinander von ungeraden und geraden Rhythmen im Eingangssatz der Sinfonie nur gerade eben so viel Synchrones einzufordern, dass der Reibung des Unterschiedlichen größtmögliche Dynamik erwächst.

Das Ergebnis ist ein hochkultivierter und elaborierter, geradezu gestylter Beethoven-Klang. Ihn kann man bewundernd genießen. Man kann sich zurücklehnen und sich sicher fühlen: An diesem Abend kann nun wirklich nichts passieren, denn er ist wie ein Gang durch eine Ausstellung mit perfekt arrangierten, sehr schönen, sehr alten Bildern. Sie betrachtet man mit Interesse - und verlässt das Museum am Ende doch unberührt und ungerührt. Gardiner und die Londoner liefern kühle Schönheit, mehr nicht. Das ist auch bei der wohlformulierten "Egmont"Ouvertüre nicht anders.

Dann aber kommt die Solistin: Die kleine, feingliedrige Portugiesin Maria Joao Pires sieht neben dem hoch aufgewachsenen Gardiner aus wie Mrs. Quickly neben Verdis Sir John Falstaff.

Wenn die 65-Jährige nicht, wie Veranstalter Michael Russ vor Beethovens zweitem Klavierkonzert kundtat, noch durch einen Infekt geschwächt gewesen wäre, hätte sie gewiss auch den Dialog mit dem Orchester im Anfangs- und Schlusssatz des Stücks durch ihren perlenden, klangfarblich quicklebendigen Ton zum poetischen Erlebnis gemacht. So prägte sie mit ihrer persönlichen Farbe nur das Adagio - vor allem dort, wo sie im Einvernehmen mit dem Dirigenten das Tempo ganz frei nahm und sich zumal von den Streichern des Orchesters tragen ließ wie von einer Klangsänfte. Nein, wer Pires' feine Farben hört und fühlt, der muss nicht wegfahren. Nicht mal ins Grüne, wo Beethovens blaue Blume blühte.
 

Susanne Benda

04.02.2010 - aktualisiert: 04.02.2010 16:43 Uhr

 



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