Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 04.02.2010
Verdammnis
Die Hackerin und die Mafia
Enthüllungsjournalist Michael Blomkvist stößt auf verfängliches Material: Ein russischer Zuhälterring versorgt einen exklusiven Kundenkreis mit jungen Prostituierten, darunter auch Beamte und Politiker des schwedischen Staats. Bald erschüttern Todesfälle die Recherche, und ausgerechnet Lisbeth Salander, die geniale Hackerin, gerät unter Mordverdacht.
"Verdammnis", die Verfilmung des zweiten Buchs der Millennium-Trilogie von Krimiautor Stieg Larsson, knüpft in ihrer Machart an den ersten Teil an und lässt in Bezug auf Spannung und Dramatik keine Wünsche offen. Inhaltlich ist "Verdammnis" sowieso der interessanteste Teil, denn jetzt wird endlich die tragische Vergangenheit von Lisbeth Salander Schicht für Schicht freigelegt.
Den Filmemachern ist es gelungen, die über 700 Seiten starke Romanvorlage zu zähmen, was nicht zu machen war, ohne auf komplette Erzählstränge zu verzichten. Die im Roman so ausführlich beschriebenen und psychologisch so stimmig dargelegten Rivalitäten innerhalb des Polizeiapparats kommen im Film nicht vor, und die Machenschaften der Regenbogenpresse, die in Lisbeth Salander das perfekte Opfer für abstruse Titelgeschichten gefunden hat, werden nur gestreift.
Dafür nimmt Bösewicht Roland Niedermaier, die Kampfmaschine im Dienst der Russenmafia, einen umso größeren Raum in der Kinodramaturgie ein. Der durchtrainierte Hüne empfindet aufgrund eines genetischen Defekts keinen Schmerz und kann mit seiner teilnahmslosen, brutalen Unbesiegbarkeit als kriminelles Pendant zu den staatlich legitimierten Zwangsmaßnahmen angesehen werden, gegen die Lisbeth Salander in ihrer Kindheit und Jugend vergeblich angerannt ist.
"Verdammnis" ist spannende Kinounterhaltung, die vor allem durch eine nervenaufreibende Geschichte getragen wird. Das Ende ist dabei so offen, dass man unwillkürlich Lust auf den dritten Teil bekommt, der im Juni in den Kinos zu sehen sein wird.
Klaus Friedrich
04.02.2010 - aktualisiert: 04.02.2010 16:55 Uhr