Frankfurt - Beim DFB geht es drunter und drüber. Im Mittelpunkt steht die Vertragsverlängerung mit Bundestrainer Löw. Daran entzündete sich ein Streit um Einfluss und Geld, in dem das Ende offen ist.
Meinungsvielfalt liegt beim DFB in der Natur der Sache. Wer die Interessen von sechseinhalb Millionen Mitgliedern in knapp 180000 Mannschaften vertritt, kann es nicht allen recht machen. Schon gar nicht, wenn sich das Lager in Profis und Amateure spaltet. Interessenkonflikte sind da programmiert. Und wenn dann noch Eitelkeiten und Machtansprüche dazukommen, kann das in einer Führungskrise enden. Davor bewahrten den DFB früher starke Persönlichkeiten. Souveräne Präsidenten also, die ihre Landesfürsten und Generalsekretäre weitgehend im Griff hatten. Aber genau diese Stärke scheint Präsident Theo Zwanziger nicht zu haben. In diesem Vakuum positionieren sich andere - und ziehen ihre Strippen. Ein Opfer dieser Kabale wurde zuletzt Mediendirektor Harald Stenger. Er darf zwar noch bei der WM seinen Dienst tun, wird dann aber kaltgestellt. Wem das nutzt? Wer dahintersteckt? Auf diese Fragen gibt es an der Otto-Fleck-Schneise keine konkreten Antworten. Sehr wohl aber den verstohlenen Hinweis auf Wolfgang Niersbach, den Generalsekretär. Er gilt als graue Eminenz des Verbandes.
Es geht um Macht und Einfluss. Darum kämpft vor allem Matthias Sammer, der frühere VfB-Trainer. Als Sportdirektor wird er von Löw und Manager Oli Bierhoff eher geduldet. In der Praxis kommt es zu Konflikten, weil die Aufgaben und Weisungskompetenzen zwischen Bundestrainer und Sportdirektor nicht klar definiert sind. Kein Wunder also, dass Löw bei den Vertragsgesprächen im Dezember mit Zwanziger klare Abgrenzungen forderte.
Aber wieder einmal redete der DFB-Präsident schneller, als manchen lieb war. Offenbar machte er Zusagen, die Sammer und dessen Vertrauten gegen den Strich gingen. Nun ist Löws Vertragsunterschrift gefährdet. Löw soll es nicht nur um Kompetenzen, sondern auch um viel Geld gehen. Er ging aufs Ganze. Angeblich erwartet die sportliche Leitung der Nationalmannschaft für einen neuen Zwei-Jahres-Kontrakt zusätzlich eine Einmalzahlung in Höhe eines Jahresgehalts. Die Bonuszahlungen würden sowohl für Löw als auch für Teammanager Oliver Bierhoff und die Assistenztrainer fällig. Zudem soll Bierhoff in seinem neuen Vertrag ein Vetorecht bei der Suche nach einem späteren neuen Bundestrainer haben wollen. Die Lunte war also gelegt. Jetzt lag es nun am DFB-Präsidium, das am Donnerstag in einer außerordentlichen Sitzung in Frankfurt tagte, dass es nicht zur Explosion kommt. Schon vor der Sitzung traute sich keiner aus der Deckung. Nun haben sich die Herren bis nach der WM vertagt. Die Herren sitzen das Problem aus. Und jeder fragt sich: Wer ist beim DFB eigentlich Herr im Haus?
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Martin Haar
04.02.2010 - aktualisiert: 04.02.2010 18:29 Uhr
Lesermeinungen
05.02.2010 10:44 Autor: Attac
Bin mal gespannt, ob es in diesem Fall auch einen Aufschrei der Strasse geben wird, wie es bei einem Manager oder Banker der Fall wäre, wenn er Bonus und Antrittsprämie fordern würde.
04.02.2010 20:20 Autor: Roger Stegmaier
Und jetzt könnt Ihr endlich die ganze WM vergessen, viel Spaß dabei.