Artikel aus der Fellbacher Zeitung vom 05.02.2010
Fellbach/Bad Cannstatt. LKA-Präsident Klaus Hiller referiert vor 400 Zuhörern und warnt vor den Gefahren des Internets. Von Michael Käfer
"Internationaler Terrorismus, Wirtschafts- und Internetkriminalität", lautete sein Thema und schnell wurde deutlich, dass der Polizeibeamte mit fast 40-jähriger Berufserfahrung dazu einiges zu sagen hat. "Kriminelle können mit einem Mausklick tausende von Bürgern schädigen", sagte Klaus Hiller.
Zwar sind rund 80 Prozent der über das Internet begangenen Straftaten Betrugsfälle, das Internet eröffnet Kriminellen jedoch noch viel größere Möglichkeiten. So gehört nach den Erkenntnissen der Polizei die Wirtschaftsspionage zum festen Aufgabengebiet vieler, vornehmlich östlicher Geheimdienste. Das Ziel ist dabei die Spitzentechnologie, beispielsweise die Kommunikationswege zwischen Maschinen. Dadurch entsteht, wie allzu oft bei der Wirtschaftskriminalität, ein enormer Schaden. Landesweit machten 2009 Wirtschaftsdelikte nur ein bis zwei Prozent der Straftaten aus, der um zwei Drittel auf 500 Millionen Euro angestiegene Schaden entspricht jedoch der Hälfte des Gesamtschadens aller Straftaten. Großen Schaden richten auch Terroristen an. Anhand der so genannten Sauerland-Gruppe machte der LKA-Chef deutlich, welchen Aufwand die Polizei bei der vorbeugenden Terrorabwehr betreibt. 150 Beamte des LKA waren über sechs Monate hinweg rund um die Uhr zur Beobachtung eingesetzt. Teilweise wurden mit ungeheuerem Aufwand 50 Callshops in Stuttgart gleichzeitig überwacht. "Der Öffentlichkeit ist es nicht bewusst, was die Polizei in diesem Bereich leistet", sagte Klaus Hiller, der jedoch gleichzeitig einräumte, dass die Behörden mit entsprechenden Informationen sehr zurückhaltend sind.
Der islamistisch orientierte Terrorismus ist erst nach den Anschlägen vom 11. September 2001 vermehrt ins öffentliche Blickfeld gerückt. Inzwischen spielt er jedoch nach den Erkenntnissen von Klaus Hiller "eine herausragende Rolle." Gleichzeitig warnte der Fachmann vor einem Generalverdacht gegen die 600 000 Moslems im Land: "In Baden-Württemberg kennen wir unter zehn Personen, denen wir Anschläge zutrauen." Ein besonderes Problem stellen islamistisch eingestellte Konvertiten dar, die in einem mehrstufigen Ausbildungsprozess zum anschlagswilligen Attentäter werden. "Islamistische Terroristen agieren nicht nur aus der Fremde, sondern auch aus der Mitte der Gesellschaft ." Trotzdem seien bisher im Land alle Anschlagsversuche vereitelt worden.
05.02.2010 - aktualisiert: 05.02.2010 06:02 Uhr
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