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Bauverzögerung wegen Witterung

Bibliothek 21 im Schlamm-Massel

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Foto: Franziska Kraufmann

Stuttgart - Der Bauplatz ist ein Schlammfeld. Doch die Bibliothek 21 hinterm Hauptbahnhof ist bereits fast 44 Meter hoch. Nur das achte Geschoss und die Dachterrasse fehlen noch. Ende des Monats soll der 79- Millionen-Euro-Würfel im Rohbau fertig sein. Trotz vierwöchiger Bauverzögerung ist die Eröffnung im Herbst 2011 geplant.

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Ohne Gummistiefel sind Baustellen-Gucker auf dem Areal A1 aufgeschmissen. Kaum betreten sie das Gelände, auf dem die Bibliothek 21 wächst, stecken sie knöcheltief im Matsch. "Es sind nur ein paar Meter bis zum Rohbau", sagt Björn Berg. Der Oberbauleiter hat gut reden und vor allem festes Schuhwerk . Wenn die Laster über das Gelände kesseln, bringt der Sprung zur Seite nichts: Das braune Pfützenwasser spritzt meterweit.

Trotz des derzeitigen Schlamm-Massels sind Berg und seine Kollegen froh, dass sich die Temperaturen wieder im Plusbereich bewegen. Denn durch den bisher frostigen Winter hinken die Arbeiter dem Terminplan knapp vier Wochen hinterher. Innerhalb der vergangenen 14 Tage war die Baustelle sogar an drei Tagen ganz stillgelegt. "Ein Arbeiten wäre lebensgefährlich gewesen. Leicht hätte jemand auf blankem Eis ausrutschen und in die Armierungen stürzen können", sagt Hans Repper. Er ist Projektleiter beim Hochbauamt der Stadt und für die Bibliothek 21 verantwortlich. Damit die Verzögerungen kalkulierbar bleiben, wurden Eis und Schnee mit Brennern weggeschmolzen. "So konnten wir zwar nicht mit 100, aber doch mit mindestens 30 Prozent Arbeitskraft den Bau vorantreiben", sagt Repper. Mittlerweile wird wieder hundertprozentig geschafft. Rund 80 Arbeiter tummeln sich auf der Baustelle, haben seit Baubeginn im November 2008 rund 2500 Tonnen Stahl und 19.000 Kubikmeter Beton in der neuen Bibliothek verbaut.

Ein Lieferant fragt nach dem Mailänder Platz, der künftigen Adresse der Bibliothek. Den Platz gibt's noch nicht wirklich. Aber die Firma, die ein Regal geordert hat, benutzt die künftige Anschrift bereits. Im Schlamm vor der Bibliothek liegen fertige Treppen fürs siebte und achte Geschoss sowie Muster für die Glasfassaden, die dem jetzt noch tristen Betongebäude später Eleganz verleihen sollen. Glasfassaden, Mehrzahl: Denn vor eine erste wärmedämmende Fassade mit 396 etwa 3,50 mal 3 Meter großen Glasflächen wird eine zweite Glasfassade mit 3,50 mal 3,50 Meter großen Bausteinen gesetzt. "Im April und Mai werden die Elemente angeliefert", sagt Repper.

Erstes und zweites Untergeschoss des Neubaus wirken wie eine Tropfsteinhöhle. Es ist stockduster, und unaufhörlich sickert Wasser von den Decken, bildet auf dem Boden riesige Pfützen. Denn es gibt noch keine dichte Decke. "Bis vor kurzem hätte man hier Schlittschuh laufen können", stellt Berg fest. Jetzt wird das Wasser abgepumpt, das zum Teil bis 20 Zentimeter hoch stand. "Weil Elektroarbeiten anstehen, ist das schon aus Sicherheitsgründen notwendig", so Berg. In den beiden Untergeschossen stehen unzählige Pakete mit Deckendämmung und Luftschächte rum. Alles soll "demnächst" eingezogen werden. 80 Prozent der Installationen sind schon an ihrem Platz.

Ein Raum, in dem die Technik für die ursprünglich geplante Wasserfläche vor der Bibliothek verstaut werden sollte, wird nun nur Rumpelkammer. Denn aus Kostengründen gibt es statt eines Wasserbeckens vor der Bibliothek englischen Rasen. Dadurch werden 2,5 Millionen Euro gespart. Mit 79 Millionen Euro ist das Projekt 4,3 Millionen teurer als geplant (diese Zeitung berichtete). Ob die 79 Millionen Euro gehalten werden können? Repper zuckt mit den Schultern: "Noch sind wir im Kostenrahmen. Aber Garantien gibt es nicht."

Vom Erdgeschoss streckt sich über vier Geschosse das Herzstück der Bibliothek: ein Raum als Ort der Vertiefung, Sammlung, und Meditation - viel Luft für hochfliegende Gedanken, die erst in 19 Meter Höhe an die Geschossdecke stoßen. Vom fünften Geschoss an öffnet sich die Bibliothek trichterförmig nach oben, lässt viel Licht rein. An den Wänden um den Trichter werden Regale mit Tausenden Büchern stehen. Im siebten Geschoss wird demnächst die Decke betoniert. Die Schalung dafür ist schon vorhanden. Bis dorthin kommt man über bereits eingebaute Betontreppen. Ins noch nicht fertige achte Geschoss geht es über Provisorien aus Metall. Nichts für Leute, die nicht schwindelfrei sind. Beim Betreten schwingen die Stufen leicht. Für die Sicherheit auf der Baustelle sorgt ein von der Stadt beauftragter Sicherheitskoordinator. "Der dreht fast täglich seine Runden auf der Baustelle, prüft, ob die Leute mit Helm arbeiten, das Gerüst sicher ist und ob fachgerecht gearbeitet wird", sagt Repper.

Am mit 80 Metern höchsten Kran in Stuttgart lässt Wilhelm Lebherz (51) zielgenau eine Armierungsmatte am Kopf seines Kollegen nach unten schweben. Der Blick von dort oben, knapp 40 Meter in die Tiefe, zeigt: Der Kreisel am neuen Stockholmer Platz ist fast fertig. Derzeit wird die Moskauer Straße auf Erdgeschossniveau aufgeschüttet. Von April an soll der Tunnel für die Stadtbahn der Linie U 12 weitergebaut werden.

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Keine der Flächen ist jedoch für Parkplätze vorgesehen. Repper: "80 Stellplätze haben wir mit je 12500 Euro abgelöst." Besser als mit dem Auto ist die neue Bibliothek mit der Stadtbahn zu erreichen. Am Mailänder Platz soll in 50 Meter Entfernung die Stadtbahn der Linie U 12 stoppen. Damit niemand eine Ausrede hat, die neue Bibliothek wegen der Parkplatzsituation nicht zu nutzen, liebäugelt Bibliothekschefin Ingrid Bussmann mit der Idee, einen Shuttlebus-Service vom Hauptbahnhof zur Bibliothek 21 einzurichten. Ob das beim Gemeinderat auf offene Ohren stößt, ist noch nicht klar.
 

Eva Funke

07.02.2010 - aktualisiert: 02.03.2010 18:22 Uhr

 



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