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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 11.02.2010

Valentinstag

Freunde, liebt euch!

Die Liebe ist ein Geschäft, selbstverständlich. Und stressig für alle Beteiligten, vor allem an Valentinstag. Wer allein ist, empfindet dies am Tag der Liebe besonders schmerzlich. Allein schon, weil es peinlich ist, an so einem Abend allein ausgehen zu müssen. Wer nicht allein ist, fühlt sich zu Liebesbeweisen verpflichtet, und wem keiner einfällt, der schenkt Blumen.

Die aus der Vogelperspektive gefilmte Anfangsszene von "Valentinstag" zeigt dann auch Chaos auf dem Blumenmarkt von Los Angeles. Den konsumkritisch unromantischen Blick hält Garry Marshall nicht lange durch. Was Gewimmel war, wird Mensch, mit all seinen Makeln. Marshalls Film ist ein Plädoyer für Liebe, die auf Freundschaft basiert, für eine Liebe, die verzeiht und Unschönes akzeptiert.

Du musst mich lieben mit all meinem Mist, so undamenhaft direkt formuliert das Shirley MacLaine. Sie beichtet ihrem Mann (Hector Elizondo), dass sie ihn einst betrogen hat. Er ist tief getroffen, denn bis heute liebt er die Lady, die einmal eine berühmte Schauspielerin war. MacLaine bekommt einen herrlich überkandidelten Auftritt, wenn sie im fledermausartigen Umhang ihrem Mann entgegenweht, und das Publikum jubelt. Sie findet ihren Mann nämlich während einer Open-Air-Kinovorführung wieder, alljährlich wird zum Valentinstag ein alter Film (mit Shirley MacLaine) gezeigt.

Mindestens so charmant wie dieses Filmzitat ist Marshalls Umgang mit seinem eigenen Klassiker "Pretty Woman". So groß war die Liebesgeschichte mit Richard Gere und Julia Roberts, dass der Regisseur weiß, so etwas gelingt ihm nicht mehr. Gegen die zwei kommt keiner an. Es gibt also eine Menge Verstärkung für das im Zentrum des Episodenfilms stehende Paar, einen Floristen und eine Lehrerin.

Abgesehen von äußerlichen Ähnlichkeiten - Ashton Kutcher hat ähnlich schmale Augen wie Richard Gere und Jennifer Garner ähnlich volle Lippen wie Julia Roberts - sind die zwei Schauspieler längst nicht so charismatisch. Also erzählt der Regisseur zwanzig Jahre nach "Pretty Woman" gleich zehn Liebesgeschichten mit sagenhaften Schmachtfetzen-Happy-Ends.

Marshall engagiert dazu die durchtrainiertesten und schönsten Männer und Frauen Hollywoods, Jamie Foxx, Patrick Dempsey, Jessica Alba, Anne Hathaway und Emma Roberts. Emmas Tante Julia Roberts, hübscher Spaß, spielt auch mit. Sie überstrahlt alle, obwohl sie in Armeekluft und die gesamte Zeit lediglich im Flugzeug sitzend zu erleben ist. Doch ein Lächeln von ihr, und das war's. Dagegen widersteht nur einer, der Männer liebt, wie ihr melancholischer Flugzeugnebensitzer (Bradley Cooper). Er kehrt dann aber auch froh heim und versöhnt sich mit seinem Ex. Der Footballstar (Eric Dane) hat sich am Valentinstag endlich zu ihm bekannt und sich während einer Pressekonferenz als schwul geoutet.

Selbst zwei Stunden Film reichen nicht aus, um bei dieser Menge an Paargeschichten viel mehr als die Oberfläche zu streifen. Und doch erzählt Marshall rasant und mit Witz, wie seine Helden sich haarscharf aneinander vorbeilieben, sich betrügen, streiten und am Ende diejenigen küssen, die wirklich zu ihnen passen. Sogar die härtesten Valentinstagshasser kapitulieren da und fallen sich in die Arme. Und weil das Konzept so gut funktioniert, wird nach dem Tag der Liebe ein ähnliche Nervositäten verursachender Tag im Zentrum von Marshalls nächstem Episodenfilm stehen: Silvester.
 

Nicole Golombek

11.02.2010 - aktualisiert: 11.02.2010 10:11 Uhr

 


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