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Neue Wohntrends

Das italienische Designersofa ist out

Foto: Esprit Home/dpa/tmn

Einfach und traditionell ist die aktuelle Formensprache
 

Stuttgart - Nicht nur der Computer benötigt ein regelmäßiges Update, auch die eigenen vier Wände sind hin und wieder auf die Höhe der Zeit zu bringen. Zwar sind Wohnungs-Updates wohl kaum nötig, um Sicherheitslücken zu schließen. Frische Farben und neue Möbel werten das Wohnambiente auf - oder stellen verloren gegangene Wohnwohlgefühle wieder her. Schließlich macht schöner Wohnen nicht nur Sinn, sondern spricht eben auch alle Sinne an.

Traditionell lassen sich die neuesten Trends des Jahres im Januar auf der Heim-textil in Frankfurt, der Pariser Designmesse Maison & Objet und der Kölner Möbel-Fachmesse imm entdecken. Mehr als 250.000 Besucher informierten sich auf den drei Messen über kreative Gestaltungs- und Einrichtungsideen in der laufenden Saison. Der Trend geht zu werthaltig, zu reduktiver Schlichtheit, urteilen fachkundige Messebesucher. "Weg von verschnörkelt und opulent, hin zu einfach und traditionell", umschreibt der Stuttgarter Architekt Mark Phillips die aktuelle Formensprache.

Das Sofa, die Stehlampe, der Schrank - wer mit der Zeit geht, wählt Mobiliar und Einrichtung, die nicht mehr so aussieht, als wäre sie aus dem Showroom des exklusiven Möbelhändlers direkt in die heimischen vier Wände importiert. Das italienische Designersofa, aus glattem Leder, super verarbeitet und in klassisch kubischer Form, hat demnach ausgedient. Die Gestaltung ist authentischer geworden, verkörpert eine Mischung aus Ruppigkeit und Individualität, sagen die Kenner. "Die Wohnung wird zur Sammlung des eigenen Lebens", umschreibt Mark Phillips, was angesagt ist. Will heißen: nicht alles, was momentan in der Hütte steht, muss auf den Sperrmüll. Das Neue mit individueller Note passt auch zwischen liebgewonnene Gegenstände, in denen sich die Persönlichkeit des Besitzers spiegelt.

Vieles im zeitgemäßen Wohnumfeld ist natürlichen Ursprungs: Naturstoffe setzen Innenarchitekten und Möbeldesigner im Gegensatz zu Kunststoffen immer häufiger in Szene, so die Botschaft von den Trendmessen. Dabei denken die Ideengeber aber weniger an Jutevorhänge oder Korktapeten, vielmehr ersetzen hochwertige Holzmöbel und Heimtextilien schnödes Plexiglas und kratzfeste Beschichtungsfolien. Nebenbei bemerkt: Auch alte kostbare Orientteppiche aus feiner Seide erleben eine Renaissance.

Aber nicht in ihrer ursprünglichen Form, sondern quasi als Flickenteppich: "Auseinandergeschnitten und in anderer Anordnung wieder zusammengenäht oder auch bewusst mit Webfehlern versehen", schildert Phillips den neuesten Schrei. "Shabby Chic" lautet die (Wort-)Kreation der Saison. Damit zieht im Wohndesign der Stil ein, der sich in der Modebranche längst bei teuren, aber abgewetzt aussehenden Designerjeans etabliert hat. An Möbeln und Accessoires à la Shabby Chic soll die Zeit nicht spurlos vorübergegangen sein. Kratzer und abgeplatzte Farbe sind erwünscht und erzeugen Charme. Der Stil lässt sich ganz persönlich verwirklichen. Es ist erlaubt, unterschiedliche Einzelstücke zu kombinieren, um sein Zuhause unverwechselbar zu machen.

Im Wohnzimmer wird wieder gelebt und weniger ausgestellt

Das Trend-Zuhause des Jahres trennt auch nicht mehr zwischen Kochen, Essen und Wohnen. Wer es sich von Platz und Zuschnitt her leisten kann, fasst Küche, Essbereich und Wohnzimmer zu einer Wohneinheit zusammen, vermelden die Trendscouts von der Internationalen Einrichtungsmesse imm cologne. Auch im Schlafzimmer ändert sich einiges: Schlafgemach und Bad verschmelzen ebenfalls zu einer Einheit, Duschwanne und Ehebett werden Teile einer privaten Spa-Oase.

"Im Küchenbereich sind in diesem Jahr großformatige Esstische und Esssessel im Trend, auf denen man lange bequem sitzen kann", vermeldet die Kölner Messegesellschaft eine weitere Entwicklung. Und im Wohnbereich finden verstellbare Polstermöbel mit vielen zusätzlichen Funktionen ihren Platz, so die Kölner Erkenntnis. Bei Möbeln dominiert dunkles Holz, auch in Verbindung mit Glas und Edelstahl. Gut in Szene gesetzt wird das Wohnumfeld durch modernste Lichttechnik. Die stromfressende Glühbirne hat ausgedient, in Schränken und Regalen leuchten LED-Lampen.

Wie in der Kleidermode hält sich auch bei Wohn- und Objekttextilien eine Farbe länger als die andere. "Die Erfolgsfarbe Violett ist weiterhin en vogue - vom hellen Fliederton bis zum tiefen Aubergine", heißt es von der Frankfurter Heimtextil. Doch Violett hat Konkurrenz bekommen: In vielen Kollektionen tauchte in den Messehallen am Main frisches Türkisblau und helles Lindgrün auf - Töne, die den Stoffen eine optimistische Ausstrahlung geben. Generell jedoch gilt: "Im Vergleich zum Vorjahr werden die Farben subtiler und weniger laut eingesetzt", sagen die Ausstellungsmacher. Stille Töne wie Mauve, Taupe, Elfenbein oder blasses Rosé fehlen in kaum einer Kollektion. Bei den dunklen Farben haben Schoko- und Schlammtöne Hochkonjunktur. Grafit oder Nachtblau haben Schwarz den Rang abgelaufen. "Diese Töne sind raffinierter und weniger krass", begründen die Trendbeobachter. Die dunklen Töne eines Stofffonds werden meist durch Dekors in delikaten helleren Farben belebt, in Helltürkis oder Eisgrau beispielsweise. Lauter Glanz ist eher verpönt.

Bei Bezugsstoffen für Polstermöbel und als Oberfläche bei Kastenmöbeln bleibt die Megafarbe Weiß weiterhin beliebt, heißt es dagegen von der Einrichtungsmesse imm cologne. Die Kölner Aussteller setzen zugleich auf "würdevolle Farbakzente wie etwa Aubergine-Töne". Neu hinzugekommen seien in diesem Jahr mattschwarze und blaue Bezugsstoffe. Wer noch mehr Anregungen zu trendigen Formen, Farben und Materialien im Wohnbereich sucht, kann bis zum Frühjahr warten. Vom 14. bis 19. April findet in Mailand der Salone International del Mobile statt. Die Fachmesse gilt als das Trendbarometer für Stil und Design im Wohnbereich.
 

StZ/StN

26.02.2010 - aktualisiert: 26.02.2010 14:05 Uhr

 



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