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Internationale Immobilienmesse Cannes

Gerade in Krisenzeiten Flagge zeigen

Noch braucht man viel Fantasie, um sich die spätere Bebauung vorstellen zu können.
Foto: dpa

Wirtschaftsförderung Stuttgart ist auch in diesem Jahr in Cannes vertreten
 

Stuttgart - Wenn Stuttgarts Wirtschaftsförderer Dr. Klaus Vogt Mitte März Richtung Cannes aufbricht, hat er in seinem Koffer auch "die gesicherte Entscheidung, dass Stuttgart 21 tatsächlich realisiert wird". "Bis vor sechs Wochen war der Vertrag ja immer noch umkehrbar", formuliert Vogt das Hin und Her um den Vertragsabschluss von Stuttgart 21 vorsichtig. In dem mondänen Badeort an der Côte d'Azur trifft sich vom 16. bis 19. März die internationale Immobilienszene zur weltgrößten Gewerbeimmobilien- und Betriebsansiedelungsmesse Mipim.

Die Stadt Stuttgart ist mittlerweile ein Stammkunde auf der Mipim. Das macht sich vor allem durch die Nähe des Hotels zur Mipim bezahlbar. Während neue Aussteller auch schon mal im Umland untergebracht werden, kann der Wirtschaftsförderer der Landeshauptstadt mittlerweile ein Hotel in Cannes "fußläufig zur Messe" beziehen. In Anbetracht des chronischen Parkplatzmangels rund um das Palais des Festivals fast schon ein Hauptgewinn. "Ich habe mich gewissermaßen herangewohnt", freut sich Vogt. Dass sich die Wirtschaftsförderung der Stadt den Messeauftritt trotz desolater Haushaltslage leistet, sei sehr genau überlegt worden. Abgesehen davon, das derartige Entscheidungen einen Vorlauf von eineinhalb Jahren hätten, sei es auch in diesem Jahr gelungen, den wesentlichen Teil der rund 300 000 Euro Kosten durch Sponsoren zu refinanzieren, so dass das Budget der Wirtschaftsförderung nur mit einem kleineren fünfstelligen Betrag belastet werde, erläutert Vogt das Finanzierungskonzept. Zu diesem Konzept gehört auch ein eigens gechartertes Flugzeug mit 45 Sitzplätzen. Nachdem vor zwei Jahren die Fluglinie Germanwings ihren Direktflug nach Nizza eingestellt hat, habe man sich zu diesem Service entschlossen, erläutert Klaus Vogt. Das sei für die Stadt kostendeckend, wenn alle Sitzplätze (Hin- und Rückflug pro Person rund 700 Euro) belegt sind. Und davon geht der Wirtschaftsförderer derzeit aus.

Zu den Sponsoren des Gemeinschaftsstandes der Wirtschaftsförderung Stuttgart zählen schon seit Jahren unter anderem die Landesbank Baden-Württemberg, der Projektentwickler Drees & Sommer, das interkommunale Wohn- und Gewerbegebiet Flugfeld Böblingen/Sindelfingen und die Wirtschaftsförderung der Region Stuttgart, die im Gegenzug den Stand bei der Expo Real in München stellt. Erstmals präsentiert sich der Immobilienentwickler Icade Reim Deutschland als Premiumpartner auf dem Messestand der Wirtschaftsförderung. Das zum französischen Icade-Konzern gehörende Immobilienunternehmen hatte 2006 in der Stuttgarter Türlenstraße die ehemaligen Daimler-Liegenschaften erworben.

Plattform für die Immobilienwirtschaft

Klaus Vogt findet es falsch, wenn derartige Messeauftritte nur durch die Brille der aktuellen wirtschaftlichen Situation beurteilt würden. "Wir müssen gerade in Krisenzeiten zeigen, dass die Landeshauptstadt nach wie vor ein guter Immobilienstandort ist. Ohne private Investoren können wir unsere Stadt nicht neu gestalten", ist sich Vogt sicher. Allerdings sei die Mipim in erster Linie eine Plattform für die Immobilienwirtschaft. Und wenn die Branche das Engagement in diesem Bereich noch weiter zurückfahre, täte sich die Wirtschaftsförderung schwer, auch künftig eine derartige Messe zu stemmen.

Insider behaupten, dass die eigentlichen Geschäfte nicht auf der Mipim, sondern außerhalb des Palais in einem der zahlreichen Cafés auf der Flaniermeile Boulevard de la Croisette oder in einem der vielen schicken Restaurants und abends auf den Booten im Hafen gemacht werden. "Es gibt sicher viele Einladungen", weiß Vogt. Auch deshalb verzichtet die Stadt in diesem Jahr auf eine eigene Standparty. Es wäre allerdings fatal, sich nur auf das Beiprogramm zu konzentrieren. "Die Messe ist eine tolle Informationsbörse, wo sich auch erste Trends abzeichnen". Über nachhaltiges Bauen habe man schon vor fünf Jahren auf der Mipim gesprochen, da redete bei uns noch keiner davon, erinnert sich der Wirtschaftsförderer.

Vielleicht gelingt es auch, diese Informationsbörse für Stuttgart 21 zu nutzen. So würden weite Teile der Immobilienwirtschaft bei dem Thema nur an die Tieferlegung des Hauptbahnhofs denken, und selbst langjährige Entscheider der Branche wüssten nicht, dass es sich bei Stuttgart 21 auch um ein städtebauliches Projekt handelt, kritisierte jüngst Frank Peter Unterreiner in seinem "Immobilienbrief Stuttgart". Der Journalist, der auch Vorstandsmitglied des IWS Immobilienwirtschaft Stuttgart e. V. ist, hatte eine Blitzumfrage unter deutschen, österreichischen und schweizerischen Immobilienexperten gestartet. "Stuttgart 21 ist selbst für sehr viele überdurchschnittlich gut informierte Personen aus der Immobilienbranche lediglich ein Verkehrsprojekt", kritisiert Unterreiner und befürchtet durch das schwäbische Unterstatement, dass Investitionen verhindert werden.

Für den Wirtschaftsförderer hingegen wird der städtebauliche Teil von Stuttgart 21 keinesfalls zu kurz kommen. Das städtebauliche Projekt werde natürlich auch auf der Mipim auf dem Stand der Wirtschaftsförderung präsent sein, versichert er. Vogt räumt allerdings ein, dass die Chancen, die ein neuer Stadtteil inmitten der City bieten kann, noch nicht in allen Köpfen sei. Allerdings werde es noch Jahre dauern, bis die jetzigen Gleisflächen bebaut werden können. Er sieht gerade das aber auch als Chance. "Wir haben jetzt genügend Zeit, gemeinsam mit der Stadtgesellschaft darüber zu diskutieren, wie dieser Stadtteil einmal aussehen soll." Spätestens wenn die ersten Bagger anrollen, wird das Thema in aller Munde sein, glaubt der Wirtschaftsförderer - auch ohne jetzt schon die Marketingtrommeln rühren zu müssen.

Machbarkeitsstudie zu "Echterdingen-Ost

Zwar deutlich kleiner, aber nicht minder wichtig ist ein weiteres Projekt im Gepäck des Wirtschaftsförderers. Zur Zeit ist eine Machbarkeitsstudie in Arbeit, die prüfen soll, inwieweit sich ein interkommunales Gewerbegebiet zwischen Stuttgart und Leinfelden-Echterdingen realisieren ließe. Die Landeshauptstadt hat schon seit Jahren nicht mehr ausreichende Flächen, um den Bedarf an Gewerbeflächen zu decken. Leinfelden-Echterdingen hat die Flächen, aber nicht das Geld, ein so großes Gebiet mit Infrastruktur zu versehen und auch noch zu vermarkten.

Problematisch ist allerdings, dass bislang die wenigsten Flächen im Besitz der beiden Kommunen sind. Manch einer sieht schon wieder Ärger wie beim Bau der Landesmesse heraufziehen. "So ein Thema geht nicht problemlos über die Bühne", sagt Vogt beschwichtigend und macht keinen Hehl daraus, dass jeder Partner noch die Möglichkeit habe auszusteigen. Bislang gebe es dafür aber keine Signale. Jetzt wird erst einmal am 10. März den beiden Stadtparlamenten die Machbarkeitsstudie vorgestellt. Spätestens dann weiß auch der Wirtschaftsförderer von Stuttgart, ob er sein Gepäck für die Mipim noch einmal umpacken muss.
 

StZ/StN

01.03.2010 - aktualisiert: 01.03.2010 11:30 Uhr

 



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