Jahrelang dachte Thomas Enderle (Name geändert), dass er als Spezialist in einem erfolgreichen internationalen IT-Unternehmen gebraucht wird und einen sicheren Job hat. Auch als er vor einem Jahr von den Umstrukturierungen hörte, die weltweit hundert Arbeitsplätze kosten sollten, blieb er gelassen. Doch im April musste er schließlich selbst seinen Platz räumen. "Ich hätte nie geglaubt, dass es mich trifft", sagt der Software-Entwickler.
Dennoch blickt der 45-Jährige recht zuversichtlich nach vorn. Um seine berufliche Neuorientierung zu unterstützen, ermöglichte ihm sein ehemaliger amerikanischer Arbeitgeber eine Outplacement-Beratung. Der externe Karriere-Service soll ihm helfen, einen neuen Job zu finden. Beauftragt wurde damit das weltweit vertretene Beratungsunternehmen DBM mit Hauptsitz in New York, das in Deutschland mit der Outplacement-Beratung München (OBM) kooperiert. Ein bis zweimal pro Woche trifft sich Enderle mit seinem Berater, um die Bewerbungsunterlagen auf den neuesten Stand zu bringen, potenzielle Arbeitgeber zu finden, das eigene Netzwerk zu aktivieren und sich auf Vorstellungsgespräche vorzubereiten.
"Wichtig ist, die Menschen nach ihrer Kündigung auch persönlich aufzufangen, ihr Selbstwertgefühl zu stärken und ihnen zu zeigen, dass es eine Perspektive gibt", sagt Berater Lothar Wolf.
Viele Mitarbeiter sind derzeit von Kündigungen betroffen. Fast jede dritte deutsche Firma reagiert auf die Wirtschaftskrise mit dem Abbau von Arbeitsplätzen, hat eine Studie der Kienbaum Unternehmensberatung herausgefunden, an der sich 500 deutsche Firmen aller Größen und Branchen beteiligt haben. Das hat auch die Nachfrage nach sanften Lösungen für den Firmenausstieg erhöht. Immer mehr Arbeitgeber greifen auf Beratungsunternehmen zurück, um die entlassenen Mitarbeiter bei der Jobsuche zu unterstützen. Doch nicht nur über die Ex-Firma können Mitarbeiter die Dienstleistung in Anspruch nehmen: Man kann auch privat teilnehmen.
In Frankreich oder etwa den Niederlanden sind Outplacement-Beratungen seit langem üblich. Der englische Begriff Outplacement bedeutet Außenvermittlung und steht für die professionelle Hilfe gekündigter Mitarbeiter durch externe Dienstleister. Die Beratung wurde ursprünglich in den USA für Soldaten entwickelt, die aus der Armee aussteigen wollten. Vor rund 30 Jahren kam die Methode nach Deutschland. Auch hierzulande setzt sich diese Form der Beratung in der Personalpolitik immer mehr durch. So greifen Firmen wie der Elektrokonzern Siemens und die Deutsche Telekom darauf zurück. Das Messtechnikunternehmen Tektronix, das in Schwalbach bei Frankfurt am Main und in Berlin vertreten ist und weltweit 1500 Mitarbeiter beschäftigt, arbeitet seit sechs Jahren mit externen Jobberatern zusammen.
Die Vermittlungsquoten sind recht hoch. Das nutzt nicht nur den Mitarbeitern, sondern auch den Firmen: Sie verbessern ihr Image, da sie soziale Verantwortung zeigen, und sparen auch Geld, wenn Restlaufzeiten von Arbeitsverträgen durch schnelle Vermittlungen verkürzt werden.
Outplacement-Berater versprechen mehr zu leisten als die Arbeitsagenturen: "Wir bringen die Leute nicht nur durch eine intensivere Beratung in die Berufstätigkeit zurück, sondern auch, weil wir auf ein großes Netzwerk zurückgreifen können", sagt Michael Daub, der Geschäftsführer der Beratungsfirma OBM, die bundesweit mit 37 Beratern an acht Standorten vertreten ist. Mitarbeiter der Arbeitsagenturen könnten das nicht leisten. Sie seien durch die Vielzahl von zu vermittelnden Kandidaten überfordert. "Unser Ziel ist, passende Unternehmen und Perspektiven zu finden", sagt Daub. Auch eine Existenzgründung könne eine Alternative sein. Professionelle Outplacement-Berater kennen die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt. Sie pflegen Kontakte zu Unternehmen verschiedenster Branchen sowie zu Headhuntern, die bei den Bewerbungen ihrer Klienten hilfreich sind.
Der arbeitsuchende Thomas Enderle fühlt sich bei OBM gut beraten. "Die Arbeitswelt ist komplexer geworden, da ist es wichtig zu wissen, wie man sich am besten positionieren kann", sagt der Familienvater aus Gerlingen. Durch die Beratung sei sein Lebenslauf aussagekräftiger, auch gelinge es ihm, seine persönlichen und fachlichen Stärken sowie seine Teamfähigkeit in Gesprächen herauszustellen. Dennoch führten die ersten 15 Gespräche im Großraum Stuttgart nicht zum neuen Arbeitsplatz. "Viele Unternehmen können Stellen wegen schlechter Auftragslage nicht besetzen", sagt der Software-Entwickler, der bereits einen Vertragsentwurf in der Tasche hatte.
Die externen Jobsucher bieten befristete und unbefristete Einzel- oder Gruppenberatungen an. Unbefristete Beratungen enden, wenn der Kandidat eine neue Position gefunden oder seine Vorbereitungen für eine Existenzgründung abgeschlossen hat. 95 Prozent der Teilnehmer können auf diese Weise vermittelt werden, sagt der Vorsitzende des Fachverbandes Outplacement-Beratung im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU), Herwig Offner. Im Schnitt dauern die Einzel-Outplacements rund sechs Monate. Wegen der gespannten Situation auf dem Arbeitsmarkt nehme die Vermittlung nun etwa zwei Monate länger in Anspruch, so Offner, der selbst das Beratungsunternehmen Dr. Offner, Milde & Partner in Gerlingen leitet. Seine Klienten kämen derzeit vor allem aus der Automobil- und der Zulieferbranche.
Wer privat ein Outplacement in Anspruch nehmen will, muss tief in die Tasche greifen. Die externe Beratung kostet bis zu 20 Prozent des Mitarbeiterjahresgehalts. "Für 5000 Euro bieten wir eine Beratung von vier bis sechs Monaten mit einem Beratungstermin pro Woche", berichtet OBM-Geschäftsführer Michael Daub. Dazu gehörten eine Potenzialanalyse, Bewerbungstrainings, eine Bilanz beruflicher Möglichkeiten sowie ein Wegeplan für die berufliche Zukunft.
In den meisten Fällen werde die Beratung von den Ex-Arbeitgebern finanziert. Die Arbeitsagentur bezuschusst die "Transfermaßnahme" mit bis zu 2500 Euro pro Person, wenn das frühere Unternehmen einen Betrag in gleicher Höhe leistet.
Der Arbeits- und Organisationspsychologe Hans-Uwe Hohner hält Outplacement für eine sinnvolle Methode, um aus der Arbeitslosigkeit herauszukommen: "Sie vereint Elemente des Job-Coachings, das Personen fit für den Arbeitsmarkt machen will, mit der Personalvermittlung", sagt der Dozent der Freien Universität Berlin. Positiv sei zudem, dass professionelle Berater psychologisch geschult seien. Viele Menschen fühlten sich durch den Jobverlust nicht mehr vollwertig gegenüber dem Partner, sie hätten Angst davor, die Familie nicht ernähren oder das Haus abzahlen zu können. Laut Hohner hat sich die Zielgruppe der Outplacement-Beratungen in den vergangenen Jahren stark verändert. "Lange waren diese Programme in Unternehmen nur Führungskräften vorbehalten, heute werden sie für Mitarbeiter aller Ebenen angeboten", sagt er.
Der IT-Spezialist Thomas Enderle möchte sein Outplacement-Programm nicht missen. "Vor jedem Gespräch war mein Berater zusätzlich telefonisch ansprechbar, um mich zu unterstützen", berichtet der Software-Entwickler, der inzwischen auch seinen Arbeitsvertrag mit seinem Berater besprechen konnte. Im April fängt Enderle bei einem Unternehmen in Zürich an. Er könne jedem nur raten, in die beruflichen Perspektiven zu investieren.
Fachverband Outplacement-Beratung im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU),http://www.bdu.de