Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 11.03.2010
Ausnahmesituation
Profitgierige Pharmaindustrie
Kinder mit einer lebensbedrohlichen Diagnose sind Stress pur. Viele Familien zerbrechen daran, andere werden zu "Störfaktoren", weil sie medizinische Hilfe einfordern. So wie John Crowley (Brendan Fraser), der Verbündete im Kampf gegen die tödliche Krankheit seiner beiden jüngsten Kinder sucht. Im Wissenschaftler Dr. Robert Stonehill (Harrison Ford) findet er einen bissigen, unerschrockenen Partner. Leider mochte Regisseur Tom Vaughan auf Rührseligkeit, Reichtum und charakterliche Klischees nicht verzichten. Ford muss den verschrobenen Wissenschaftler als einsamen Wolf spielen (und der ewige Indiana Jones macht es gut), der selbst kooperationswilligen Kollegen mächtig auf die Nerven geht. Und Familienvater Crowley ist gut betucht und durchsetzungsfähig genug, um ein eigenes Pharmaunternehmen zu gründen.
Das mindert die Wirkung des Films erheblich, der eigentlich Mut machen will gegen ein System, in dem die Pharmaindustrie vor allem an Profit interessiert ist - Arznei für Menschen mit seltenen Erkrankungen rechnet sich nicht. In den USA wurde 1983 ein Gesetz verabschiedet, das die Entwicklung solcher Medikamente fördert; doch es braucht schon Vorzeigefamilien wie die Crowleys, um es in der Praxis durchzusetzen.
Brigitte Jähnigen
11.03.2010 - aktualisiert: 11.03.2010 10:30 Uhr