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Artikel aus den Stuttgarter Nachrichten vom 18.03.2010

Legion

Liebt Gott nur die Langweiler?

Womöglich hat die evangelikale Rechte in den USA diesen Film finanziert, zumindest aber dürfte sie stark mit ihm sympathisieren - denn er zieht alle moralischen Register der Verdammnis durch einen strafenden Gott, der nur demütige kleine Lichter verschont. Den Sohn eines Tankstellenbesitzers in der Mojave-Wüste zum Beispiel, einen uncharismatisch-rechtschaffenen Langweiler, der nur ein Ziel hat: eine überraschungsfreie Kleinbürgerexistenz. Nicht aber seine Angebetete, eine promiskuitive Schlampe, die das Abtreibungsfenster vertändelt hat und das Baby irgendeines Kerls nun zur Adoption freigeben möchte.

Ausgerechnet dieses Kind soll im martialischen Thriller von Scott Charles Stewart die Menschheit retten, als die Armee des zornigen Gottes anrückt: Engel, die wie Dämonen in Menschen fahren und diese zu Zombies machen. Der Horror der teuflischen Himmelsbrut indes wirkt reichlich abgestanden, und für einen Thriller enthält der Film zu viele Albernheiten und logische Fehler. Erzengel als Krieger Gottes in schwerer Rüstung? Ein abtrünniger Erzengel, der sich die Schwingen absägt und mangels himmlischer Kräfte nun mit Taschen voller Bleispritzen durch die Gegend zieht, ein Gruß an die Waffennarren von der National Rifle Association? Der zum Held mutierte Langweiler und die geläuterte Schlampe mit Baby im Sonnenaufgang? Also bitte.
 

Bernd Haasis

18.03.2010 - aktualisiert: 18.03.2010 10:23 Uhr

 


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