vom 22.03.2010
Birkach. Das Paulus-Orchester spielt im Cusanus-Haus Schumann und Brahms mit dem jungen Pianisten Jonas Haffner. Von Martin Bernklau
Vor dem Solokonzert aber gab es zum Gedenkjahr des 200. Geburtstages ein Stück von Robert Schumann, das auf den Podien etwas stiefmütterlich behandelt wird, weil es mit seinen drei Sätzen nur fast eine Sinfonie darstellt und irgendwie zwischen die Gattungen fällt: Ouvertüre, Scherzo und Finale opus 52. Das kraftvolle Werk stammt aus jenem stürmischen Jahr 1841, in dem sich der bis dahin nur als Pianist und Klavierkomponist hervorgetretene Schumann mit seiner sofort erfolgreichen Frühlingssinfonie unter dem Freund und Mentor Felix Mendelssohn Bartholdy zum vollwertigen Orchester-Tonsetzer entwickelte.
Optimistisch, frisch und etwas rustikal, dem volkstümlichen Charakter des Stücks also ganz angemessen, spielte das Paulus-Orchester. Der direkte Ton bekam in dem relativ kleinen Festsaal eine geradezu wuchtige Größe. Die energische Veronika Stoerzenbach riss ihr Ensemble förmlich mit. Vom pointierteren Scherzo an wirkten die eigentlich angemessenen Tempi vielleicht sogar etwas getrieben, gerade auch im Fugato des Finales.
Wie Mendelssohn Schumann, so förderte Schumann Brahms. Dessen zweites Klavierkonzert freilich ist erst 1881 entstanden und gilt als ein Gipfelwerk seiner Gattung. Das Sinfonische daran brachte das staunenswerte Orchester schon an seine Grenzen. Weniger beim mächtig Dramatischen freilich als in der Delikatesse - so zart und fein das Horn auch anhob zum Dialog mit dem Klavier.
Am Flügel saß Jonas Emanuel Haffner, Schüler von Romuald Noll in der Begabtenklasse der Stuttgarter Musikschule, und mit seinen 17 Jahren schon geradezu überhäuft mit Preisen. Er spielte nicht das erste Mal mit den Musikern aus dem Stuttgarter Westen und passte sich sehr gut an. Zuweilen hieß das, seinen fulminanten Anschlag gegen das robuste Orchester noch kraftvoller einzusetzen, als er das an manchen Stellen wohl gewollt hätte. Seine Ausnahme-Klasse zeigt sich schon an Kleinigkeiten: der Souveränität etwa, mit der er im ersten der vier Sätze brillant virtuose Läufe ganz beiläufig neben den viel wichtigeren thematischen Passagen perlen ließ. Oder beim bruchlosen Übergreifen im zweiten Satz, dem Allegro appassionato.
Das getragene Andante mit der wunderbaren Kantilene des Solocellos gehört zu den ergreifendsten Eingebungen von Johannes Brahms. Oft kam auch das Orchester ganz nah heran an die jenseitige Schönheit dieses empfindsamen Gesangs. Mit fast schon aufschreckender tänzerischer Fröhlichkeit setzt dann ein geradezu gigantisch geschichtetes Finale ein, bei dem auch das kraftvolle Orchester seine Höchstform gefunden zu haben schien. Die gelegentlichen Unebenheiten wurden trotz höchster Anforderungen seltener, und das Zusammenspiel mit dem famosen Solisten entwickelte sich zu einem echten Dialog, bei dem Jonas Haffner dann auch den Raum und die Freiheit für die großartige Gestaltung dieser dicht gefügten Musik bekam.
22.03.2010 - aktualisiert: 22.03.2010 06:01 Uhr