Artikel aus Strohgäu Extra vom 22.03.2010

 

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Fliegen mit Anna - 3,36 Minuten lang

Kornwestheim Michael Fiedler und Anna Illenberger haben gemeinsam die Compact Disc "Uwaga!" aufgenommen. Von Gaby Mayer-Grum
 

Anna fliegt. "Fly away" (flieg davon) singt sie mit federleichter Stimme, gerade so, als würde sie selber jeden Augenblick die Schwingen ausbreiten und davonschweben. 3,36 Minuten trägt ihre Stimme den Zuhörer davon. Genau so lange dauert der Song "Bird" (Vogel), eines der Stücke auf der ersten gemeinsamen CD von Michael Fiedler und Anna Illenberger.



"Uwaga!" heißt der Titel des Albums, was "Achtung!" auf Polnisch bedeutet und nicht nur ganz gut zum Foto auf dem CD-Cover passt, das die 25-jährige Sängerin mit einer Art Kriegsbemalung zeigt. "Achtung!" wollen die Stuttgarterin und der Kornwestheimer auch in Richtung Musikindustrie, Käufer und Radiostationen rufen. "Die CD ist unsere Visitenkarte", sagt Fiedler, der schon seit einigen Jahren in der Musikbranche arbeitet und in Kornwestheim sein eigenes Label - Mutan Records - betreibt. Täglich würden unzählige Neuheiten auf den Musikmarkt geworfen, "da muss man sich unterscheiden".



Und das tut das Duo. Anstatt die CD in eine Plastikhülle zu stecken, haben die beiden ein aufwändiges Buch mit Fotos und Textauszügen produzieren lassen, in dem man wunderbar blättern kann. Und so wie die Hülle bereits als Geschichte daherkommt, so tut es das Innere, die Musik.



Michael Fiedler und Anna Illenberger - unter dem Namen Anna Gemina haben sie ihre CD herausgebracht - ordnen ihre Songs dem Electronic-Indie-Pop zu. Die Stücke - sieben englische, sieben deutsche - haben etwas von allen drei Stilrichtungen. Vor allem aber sind sie eines: ungewöhnlich. Der typische Song-Aufbau von Radio-Ohrwürmern, an denen man sich ebenso schnell wieder satthören kann, ist Anna Illenberger fremd. Die 25-Jährige, aus deren Feder Musik und Texte stammen, improvisiert und gibt dabei ihren Gedanken und Gefühlen nach. Woher das kommt? "Das hab" ich auch oft überlegt", sagt sie. "Ich weiß es nicht." Vielleicht habe es etwas mit ihrem Aufwachsen in einer Musikerfamilie zu tun.



Annas Vater ist der Gitarrist Ralf Illenberger. Und obwohl sie nie ein Instrument gelernt habe, ja nicht einmal Noten lesen könne, sei um sie herum immer Musik gewesen, habe sie immer ihre Melodien vor sich hingesungen. "Ich dachte, das machen alle so", sagt die Stuttgarterin, "für mich ist das normal". Obwohl sie gemerkt habe, dass ihre intuitiv entstehenden Songs sofort stimmig sind und Freunde von den selbst gebrannten CDs mit ihren Stücken begeistert waren, sei ihr lange nicht bewusst gewesen, dass sie über eine besondere Begabung verfügt. "Ich habe jahrelang meinen Weg nicht so richtig gefunden", erzählt die 25-Jährige. Bis zu dem Moment, in dem sie zum ersten Mal auf einer Bühne stand und merkte - genau da gehört sie hin.



Dabei sei das erste Solo-Konzert der Stuttgarterin alles andere als eine Offenbarung gewesen, erzählt lächelnd Michael Fiedler, der damals im Publikum saß. Es haperte an der Technik, die Sängerin war nervös. Trotzdem habe er sich sofort in der Arbeit von Anna Illenberger wiedergefunden, sagt der Kornwestheimer. "Vielleicht gerade, weil"s nicht perfekt war." Fiedler bot nach dem Konzert seine Mithilfe für Live-Auftritte an, verlieh fortan den Songs Rhythmus und Struktur mit elektronischen Sounds, Perkussion und Alltagsgeräuschen, die er hinzumixt. Das kann eine Bustüre sein, die sich öffnet, oder Schritte auf dem Asphalt. "Ich höre ein Geräusch und spinne es weiter zu einem Rhythmus" erklärt Fiedler. Was er so auf der Bühne "zusammenschraubte", gefiel nicht nur der Sängerin, sondern auch den Konzertbesuchern. Nach den Auftritten von Anna Gemina wollte das Publikum die Musik gerne mit nach Hause nehmen - der Auslöser für die Produktion einer ersten EP mit wenigen Stücken. Es folgte die Arbeit am Longplayer, der in diesen Tagen erschienen ist.



"Wir haben uns gefunden", sagen beide unisono, die Zusammenarbeit klappt perfekt. Vielleicht auch deshalb sind die Songs auf "Uwaga!" in sich stimmige Kunstwerke - kleine Kapitel einer Geschichte, in der sich Anna mal kriegerisch gibt, mal motzt, mal schmeichelt und eben auch manchmal fliegt und den Zuhörer für 3,36 Minuten mitnimmt.





Tour Anna Gemina sind im April auf Tour: Am 17. April, 23 Uhr, spielt das Duo im Ludwigsburger Kulturkeller (Luke), Maxstraße 1. Nach Stationen unter anderem in Erfurt, Hamburg und Kiel kehren die beiden am 1. Mai zurück nach Stuttgart, wo von 21 Uhr an eine CD-Releaseparty in den Wagenhallen stattfindet. Das



Album gibt es ab sofort im Handel und kann im Internet heruntergeladen werden. Mehr Informationen gibt es zudem unter www.myspace.com/annagemina.
 

22.03.2010 - aktualisiert: 22.03.2010 06:02 Uhr

 

 



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