Artikel aus Strohgäu Extra vom 22.03.2010
Hemmingen/Löchgau Wenn die Mutter Mukoviszidose hat: Zwei junge Paare berichten über das Leben mit der Krankheit, überihren Kinderwunsch und die beklemmende Aussicht, möglicherweise nicht gemeinsam alt zu werden. Von Christine Bilger
Doch einmal, ganz am Anfang der Beziehung, musste Fabian bei seiner Auserkorenen dafür kämpfen, dass sie sich etwas nehmen sollte, was sie haben konnte - die gemeinsame Zukunft. Die sonst so fröhliche Valerie wird ernst, wenn sie zugibt, dass sie sich das damals nicht vorstellen konnte. "Ich dachte, es ist nicht für immer. Wer weiß, ob es hält, wenn er merkt, was mit der Krankheit alles zusammenhängt", das habe sie sich damals gefragt.
Klarheit ist ein wichtiger Begriff für das junge Ehepaar. "Man muss auch über das Ende reden. Darüber, wie ich mir meine Beerdigung vorstelle. Und darüber, dass es nach mir vielleicht eine zweite Frau in seinem Leben geben wird", sagt sie. "Darüber mach ich mir noch keine Gedanken", sagt er. Fabian und Valerie leben im Jetzt: "Wir konzentrieren uns auf das, was gerade ist."
Den nächsten großen Schritt im gemeinsamen Leben haben sie trotzdem schon sehr gründlich geplant. Valerie und Fabian Volk wollen ein Kind bekommen. Dafür haben sie viele Tests über sich ergehen lassen. Sie wollten sichergehen, dass Fabian den Gendefekt, der zu Mukoviszidose führt, nicht in sich trägt. "Ich will als kranke Muter kein krankes Kind aufziehen. Ich will ihm nicht vorleben, wie es vielleicht mal eines Tages zugrunde gehen wird", sagt sie.
Bei mehr als 98 Prozent liegen die Chancen, dass das Kind die Krankheit nicht erbt. Bei der Familienplanung sei es vor allem darauf angekommen, was Fabian sich vorstellen kann. "Ich wollte meinen Willen nicht über seinen setzen, denn vielleicht ist er eines Tages allein mit dem Kind", sagt Valerie. Fabian will auch ein Baby. Bald, denn was zählt, ist die gemeinsame Zeit.
Katja Fritsche und ihr Partner Alexander Klett aus Löchgau haben diesen Schritt schon gemacht. Seit drei Monaten haben sie ihren kleinen Jamy - ein kerngesunder Wonneproppen. Wie bei den Volks hat auch bei dem Löchgauer Paar die Frau Mukoviszidose. Männer, die an der Krankheit leiden, können meist keine Kinder zeugen. "Er hat sich einfach plötzlich angekündigt", sagt Katja Fritsche - bis ins letzte Detail geplant war die überraschende Schwangerschaft nicht. Gewollt aber wohl. "Ich war zehn Jahre alt, als meine kleine Schwester auf die Welt kam. Seither war mir klar: Ich will auch mal Kinder haben."
Während der Schwangerschaft wurde regelmäßig Katja Fritsches Lungenfunktion überprüft, denn dieses Organ hat bei Mukoviszidosekranken meist nur eine eingeschränkte Funktion. Außerdem musste die werdende Mutter viele Medikamente absetzen. Einmal bekam sie trotz der Schwangerschaft ein Antibiotikum. "Aber das hat Jamy nichts ausgemacht", sagt sie. Zwei Monate nach der Geburt ist Katja Fritsche in ihren Beruf zurückgekehrt, sie arbeitet in der Kornwestheimer Stadtverwaltung. Alexander kümmert sich um Jamy, der Vater hat den Beginn seines Studiums verschoben. Damit die drei ein ganz normales Familienleben führen können.
22.03.2010 - aktualisiert: 22.03.2010 06:03 Uhr
Straßenbau darf nicht auf ewig Tabuthema sein 
"Das funktioniert nur im Zusammenspiel" 
Fliegen mit Anna - 3,36 Minuten lang 
Geplante Pachterhöhung verstört Landwirte 
Malmsheim verpasst gegen TSC den Ausgleich 
Wo heute Beton und Asphalt das Sagen haben 
Ein klangvolles Kapitel der Stadt 
Bürgerverein diskutiert mit Stadträten 
]