Artikel aus Strohgäu Extra vom 22.03.2010
Markgröningen Wenn Kommunen mehr Geld für ihre Äcker verlangen, kommt dies vor allem die Bauern teuer zu stehen. Von Markus Klohr
Mit den dürren Sätzen zur möglichen Verteuerung der landwirtschaftlichen Pachtflächen hat die Markgröninger Verwaltung eine Welle der Empörung bei den Bauern ausgelöst. "Ich habe es morgens im Amtsblatt gelesen", sagt Ernst Reutter, Sprecher der örtlichen Landwirte, "man hätte das doch vorher mit uns besprechen können." Reutter geigte dem Bürgermeister Rudolf Kürner die Meinung: "Die Stadt ist schon im oberen Segment" und solle sich "nicht als Pachtpreistreiber" gerieren. Das Gespräch zeitigte Wirkung.
Weil auch im Gemeinderat Kritik aufkam, nahm Kürner den Punkt von der Tagesordnung. "Die Bauern haben sich Sorgen gemacht", sagt der Bürgermeister. Die Erhöhung könne eine Signalwirkung auf die vielen privaten Ackerbesitzer haben, nun ebenfalls die Pacht zu erhöhen, lautet ihre Befürchtung. "So etwas prägt sich ein. Egal, wie hinterher entschieden wird, in den Köpfen ist es drin", sagt Ernst Reutter. Die Stadt wollte mit dem Antrag einfach nur die klamme Haushaltskasse ausbessern. 1000 Euro hätte sie dadurch jährlich mehr verbucht. "Uns hätte es nicht viel gebracht", gibt Kürner zu, "aber auch Kleinvieh macht Mist."
Dabei liegt Markgröningen schon jetzt beim Pachtpreis mit 2,90 Euro pro Jahr und Ar hinter Kornwestheim (3,30 Euro) an der Spitze im Kreis. In den Nachbarkommunen im landwirtschaftlich geprägten Strohgäu ist das Pachtniveau für die qualitativ hochwertigen Äcker geringer: Gerlingen verlangt zum Beispiel 1,53 Euro, Ditzingen 2,30 Euro, Korntal-Münchingen immerhin schon 2,56 Euro. Am günstigsten ist die Pacht in Vaihingen mit einem Euro.
"Eine Pachterhöhung tut richtig weh", sagt Peter Huber, der seit Jahrzehnten in Landwirtschaft und Kommunalpolitik gleichermaßen erfolgreich ist. "Die Gemeinden sollten sich moderat verhalten, weil ihr Pachtpreis auch nach außen wirkt." Der Großteil aller Flächen in landwirtschaftlichen Betrieben sei gepachtet. In Zeiten sinkender Erträge schlage die Pacht besonders stark durch. "Wenn Gemeinden ihren Pachtzins erhöhen, wirkt das auch über die Gemeindegrenzen hinweg." Huber empfiehlt den Kommunen, die Landwirte pfleglich zu behandeln. Denn öfter könnten die Gemeinden die Bauern sehr gut gebrauchen - wenn große Bauprojekte anstehen und die Landwirte Flächen abgeben sollen.
Genau das muss auch die Stadt Markgröningen zurzeit tun. Weil die Firma Magna nur mit ihren 400 Arbeitsplätzen dem Standort Markgröningen die Treue halten will, wenn sie am Ortsrand neu bauen darf, müssen sieben Hektar Ackerland aufgekauft werden. Dass die Stadt mit ihren Pachtplänen eine Woche vor den ersten Verkaufsverhandlungen ausgerechnet die strategisch wichtigen Landwirte brüskiert hat, wundert manchen in der Stadt. Rudolf Kürner zählt nicht dazu. "Mit dem Umzug von Magna hat das überhaupt nichts zu tun", sagt der Bürgermeister. Und Ernst Reutter will kein Öl ins Feuer gießen. "Die Stadt muss jeden Euro zusammenkratzen, das verstehe ich schon", sagt der Landwirt. Aber der Zeitpunkt des Antrags hat auch ihn verwundert: "Das Timing war schon ein bisschen ungünstig."
22.03.2010 - aktualisiert: 22.03.2010 06:03 Uhr
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