Artikel aus Strohgäu Extra vom 22.03.2010

 

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Ein klangvolles Kapitel der Stadt

Ludwigsburg Eine Sonderschau im Stadtmuseum widmet sich der Geschichte der Orgelfabrik Walcker. Der Firmengründer galt im 19. Jahrhundert als Wegbereiter neuer Klänge. Von Christine Bilger
 

Als brachliegende Fläche dient das Grundstück in der Unteren Stadt dieser Tage als Parkplatz und gilt als Schandfleck. Doch einst ging von hier der strahlende Glanz einer erfolgreichen Orgelfabrik Walcker in die Welt hinaus. Nach Boston, Helsinki und St. Petersburg wurden die Meisterstücke exportiert, die hier entstanden sind. Die Zukunft des Walcker-Areals, auf dem ein Pflegeheim und ein Studentenwohnheim entstehen sollen, beschäftigte den Gemeinderat vor wenigen Monaten. Die Vergangenheit der Firma mit Weltruhm ist nun im Ludwigsburger Stadtmuseum dargestellt.



In einer kleinen Zweizimmerwohnung, die ihm die Schwiegereltern stellten, hatte die Werksgeschichte in den 1820er Jahren angefangen. Werkstatt und Wohnstube zugleich waren die Kammern für den jungen Eberhard Friedrich Walcker, dessen großer Durchbruch mit dem Bau einer Orgel für die Frankfurter Paulskirche im Jahr 1833 kam. Heute gilt er mit seiner Vorstellung vom Klang des Kircheninstruments als Wegbereiter der Orgelmusik im 19. Jahrhundert, die sich endgültig von der im Barock wurzelnden Vorstellung löste. Walcker wollte das harmonische Zusammenspiel eines Orchesters mit der Orgel nachempfinden. Das war der Unterschied seiner Arbeiten zu den Barockorgeln, bei denen der getrennte Klang der Stimmgruppen gewünscht war.



Die Aufträge nahmen zu, die Firma wuchs, zur Größe einer Fabrik, deren Grundriss im Stadtmuseum auf dem Boden des Ausstellungsraumes aufgezeichnet ist. Ergänzt durch eine historische Aufnahme entsteht so ein Bild vom 8000 Quadratmeter großen Walcker-Areal, das für viele Ludwigsburger noch nicht in Vergessenheit geraten ist. Denn erst im Jahr 2004 wurden die letzten Gebäude dort niedergerissen. Mit drei Fensterrahmen erinnert die Schau an die imposante Nordfront, die markierte, wo im Firmengelände die Instrumente ausprobiert wurden, bevor sie ihre Reise in die Welt hinaus antreten durften.



Drei gotische Fenster zierten die Wand des Orgelsaals, ein zwölf Meter hohes und 20 Meter langes Herzstück der Fabrik. Auch mit diesem Raum setzte Walcker neue Maßstäbe im Orgelbau. Der probeweise Zusammenbau war bis dahin unüblich gewesen. Der Pioniergeist machte Eberhard Friedrich Walcker zum bedeutendsten Vertreter seiner Zunft. Die Nachfahren führen die Familientradition in der siebten Generation fort. Der Enkel des Firmengründers, Oscar Walcker, erreichte nicht nur die größte Ausdehnung des Werkes, sondern gründete in der Stadt auch die nach ihm benannte Schule.



Die Ausstellung präsentiert mit historischen Aufnahmen die einzelnen Produktionsschritte, die zum Orgelbau gehören, vom Zeichensaal bis zur Kunstschreinerei. Doch ist die Firmengeschichte auch die Geschichte der Familie Walcker, deren Vertreter in Porträts und Dokumenten verewigt sind. Die Nachfahren sind stolz auf die Leistung. Bei der Eröffnung sprach Gerhard Walcker-Mayer von erfolgreichen Restaurierungen der Orgeln seiner Vorväter. "Sie haben an ihrer Qualität nichts eingebüßt", selbst unter der Sonne Australiens nicht, berichtete er.
 

22.03.2010 - aktualisiert: 22.03.2010 06:04 Uhr

 

 



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